Montag, 4. Dezember 2017

Weihnachten ohne Kinderarbeit



Ob Baum, Schoko-Nikolaus, Smartphone oder Schmuck – viele Weihnachtsgeschenke stammen aus Kinderarbeit oder wurden unter schlimmen Bedingungen von Arbeitern hergestellt und geerntet. Konsumenten haben jedoch faire Alternativen. 

Weihnachtsstern
Rund 40 Millionen Christsterne werden bundesweit verkauft, viele davon zu einem Dumpingpreis im Super- und Baumarkt. Geerntet werden die Setzlinge für den Export überwiegend in Guatemala, El Salvador, Uganda oder Äthiopien. Die Arbeiter dort bekommen nur Saisonverträge, sie müssen häufig Chemikalien ohne Schutzkleidung versprühen und dürfen keine Gewerkschaften bilden, kritisiert die Christliche Initiative Romero e.V. „Die niedrigen Löhne sind ein großes Problem“, sagt Mike Pflaum, Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation. „Wenn man genau hinschaut, kann man den Schmerz der Jungen und Mädchen sehen, die auf den Fincas arbeiten“, mahnt auch Carlos Maroquín, Priester in San Miguel Dueñas, einem Dorf in Guatemala.
Faire Alternativen: Weihnachtssterne mit dem Fairtrade-Siegel u.a. bei Kaufland, Rewe, Penny, Edeka, Toom, Knauber sowie Bio-Weihnachtsterne aus Deutschland bei Dehner.

Weihnachtsbaum
Jedes Jahr werden im Advent bundesweit 45 Millionen Tannenbäume verkauft. Über 90 Prozent der Tannensamen für die westeuropäische Weihnachtsbaumproduktion stammen aus Georgien. Doch die Pflücker der Samen - allesamt Saisonarbeiter, darunter viele Minderjährige, die zur Erntezeit im Herbst keine Schule besuchen – bekommen umgerechnet 15 bis 60 Cent pro Kilo geerntete Zapfen. Dabei ist der Job sehr gefährlich: Die Zapfenpflücker müssen bis zu 60 Meter hohe Bäume erklimmen – mangels Geld oftmals ohne Gurte, gute Seile oder Helme. Es kommt immer wieder  zu tödlichen Unfällen. 
Faire Alternative: Nordmanntannen der dänischen Baumschule Bols Forstplanteskole gibt es bei verschiedenen Anbietern (Händlerliste unter www.fairtrees.de). Fair Trees ist Mitglied der World Fair Trade Organization, autorisiert auch von Fairtrade Danmark. Die Pflücker erhalten 1,60 Euro pro Kilo Zapfen, Sicherheitskurse und Equipment sowie eine Arbeits- und Gesundheitsversicherung für die Familie.

Kaffee
Kaffee und Kaffeemaschinen landen oft auf dem Gabentisch. Die Branche verpackt das Lifestyle-Getränk gerne in Geschichten von glücklichen Pflückern, handwerklicher Röstung und fachsimpelnden Baristas. Die Realität: Aufgrund von Rohstoffspekulation und gnadenlosem Preiskrieg der Supermärkte geht es für viele Kaffeebauern ums Überleben. Die Wertschöpfung findet in Europa statt. Prekär ist auch die Lage der Wanderarbeiter, die etwa in Guatemala den Kaffee auf den großen Kaffee-Fincas ernten: Sie leben und arbeiten mit ihren Familien für mehrere Monate auf dem Gelände der Plantage. Dass die Kinder bei der Ernte helfen, ist eher Regel denn Ausnahme. Bereits Zwölfjährige schleppen für einen Hungerlohn zentnerschwere Lasten.
Faire Alternativen: Fair gehandelter Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel, von Gepa (www.gepa.de), dwp (https://shop.dwpeg.de), Ethiquable (www.ethiquable.de) oder el Puente (www.el-puente.de) gibt es u.a. im Supermarkt (auch Discounter), Bioladen, Weltladen. Die Menge fair gehandelten Kaffees hat sich zwar in den zurückliegenden fünf Jahren verdoppelt, doch der Marktanteil liegt unter fünf Prozent.

Schmuck und Kunsthandwerk
Unter welchen Bedingungen der Rohstoff für die Goldkette oder den Silberreif beschafft oder verarbeitet wurde, ist für viele Schenkende kein Thema. Doch für Edelmetalle werden Menschen ausgebeutet, in Kriege verwickelt, und ihre Natur zerstört. In Peru hat die Goldwäsche zahlreiche Flüsse mit Quecksilber und Zyanid verseucht, und laut Human Rights Watch schuften mehr als 20.000 Kinder in Kleinminen in Mali, dem drittgrößten afrikanischen Goldproduzenten. Weiterverarbeitet  wird  das  Gold  überwiegend in China und Indien – unter teils katastrophalen Bedingungen, ähnlich denen der Textilbranche. Und im bolivianischen Potosí wühlen Kinderarbeiter in Gestein, um Silber zu gewinnen; ihre Lebenserwartung liegt unter 40 Jahren.
Faire Alternativen: Weltladen, Contigo, www.faire-edelsteine.de, www.janspille.de, www.tbschmuck.de, www.südsinn.de.

Nüsse
„Apfel, Nuss und Mandelkern, essen fromme Kinder gern“, sagt Theodor Storms Knecht Ruprecht – leider steckt in ihnen viel Ausbeutung und sogar Kinderarbeit. Etwa in der Türkei, dem größten Lieferanten von Haselnüssen: Hier ernten Minderjährige, oft Kinder kurdischer Wanderarbeiter und  syrische Flüchtlinge, an steilen Hängen die Nüsse, wie die GEW seit langem kritisiert. Weltweit leiden Nusssammler an niedrigen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Verarbeitungsanlagen.
Faire Alternative: Nüsse aus Fairem Handel mit dem Fairtrade-Siegel im Supermarkt sowie im Weltladen, bei dwp, El Puente, Gepa und Rapunzel.

Urlaub 
Viele Deutsche vereisen übers Fest in die Ferne oder verschenken einen Reisegutschein. Die Schattenseite: Besonders bei Fernreisen bleibt vom Geld der Reisenden nur wenig im Land. Die meisten Jobs im Tourismus sind zudem mies bezahlt, saisonal, voller Überstunden. Auch Minderjährige sind betroffen: Millionen von Kindern putzen Touristen die Schuhe, bedienen sie, führen sie zu Sehenswürdigkeiten, stellen Souvenirs her, waschen Teller - und werden auch sexuell ausgebeutet. Allein auf den Philippinen arbeiten laut UNICEF rund 60.000 Minderjährige als Prostituierte.
Faire Alternativen: Wer seine Reise bei einem Anbieter des forum anders reisen (www.forumandersreisen.de) bucht, kann Kinderarbeit ausschließen. Dafür steht auch das TourCert-Siegel (www.tourcert.org). Konkrete Reise-Tipps: Frank Herrmann: „FAIRreisen“, oekomVerlag, 2016 (ITB-Award).

Elektronik
Hersteller von Akkus für Smartphones und Laptops profitieren von Kinderarbeit, kritisiert nicht nur Amnesty International. Minderjährige, manche gerade einmal sieben Jahre alt, schuften in Kobaltminen im Süden des Kongos ungesichert und für einen Hungerlohn von ein bis zwei Dollar pro Tag. Auch in der Produktion der Geräte können die Hersteller Kinderarbeit nicht ausschließen. Der Apple-Konzern etwa hat in seinem Fortschrittsbericht 2017 einen Fall von Kinderarbeit in China und Schuldknechtschaft eingeräumt.
Faire Alternativen: Das Fairphone (www.fairphone.org), die Maus von NagerIT (www.nager-it.de), das Siegel TCO certified (www.tcodevelopment.de).

Schokolade
In Westafrika sollen immer weniger Kinder im Kakaoanbau arbeiten - das versprechen Konzerne und Regierungen seit vielen Jahren. Doch eine Studie der Tulane University von Ende 2015 belegte: Die Zahl der arbeitenden Kinder ist sogar gestiegen. Laut der Kampagne Aktiv gegen Kinderarbeit sind die meisten gerade 5 bis 14 Jahre alt. Zur Schule geht kaum eines dieser Kinder. Der aktuelle Preisverfall bei Rohkakao verschärft die Situation noch.
Faire Alternativen: Fair gehandelte Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel, von Gepa, dwp, el Puente, Ethiquable gibt es u.a. im Supermarkt (auch Discounter), Bioladen, Weltladen. Infos: https://de.makechocolatefair.org

Feuerwerkskörper
133 Millionen Euro verpulverten die Deutschen Silvester 2016; auch 2017 wird wieder kräftig geballert werden. Die Ware stammt meist aus Indien, China und Osteuropa. In Indien sind nach Schätzungen rund 6.000 Kinder in die lebensgefährliche a Produktion beteiligt, viele von ihnen unter 14 Jahren, es kommt immer wieder zu Unfällen.
Die Alternative: Die Aktion „Brot statt Böller“ (www.brot-statt-boeller.de) gibt es seit 1982. Der Erlös kommt Straßenkindern in Simbabwe und Kenia zugute.

Quelle: Martina Hahn, Frank Herrmann; Bilder/Grafiken: Fairtrade Deutschland, Frank Herrmann (4x), Wikipedia, Brot für die Welt

Montag, 20. November 2017

Neue Mode-App: Welches Label zahlt den Existenzlohn?



Die Textilindustrie ist nicht gerade für ihre fairen Arbeitsbedingungen bekannt. Viele Arbeiter in den Textilfabriken können trotz zwölf Stunden Arbeit am Tag ihre Existenz und die ihrer Familien nicht gewährleisten. Eine Veränderung ist dringend notwendig. Doch wer setzt sich für Existenzlöhne ein? Und wer nicht? Eine App beantwortet diese Fragen übersichtlich.

Immer schneller, immer mehr und immer billiger – das Motto unseres kapitalistischen Systems lässt Unternehmen buchstäblich um die Wette produzieren. Das gilt insbesondere für die weltweite Modeindustrie. Der Konkurrenzkampf in der Branche wird dabei auf dem Rücken der Entwicklungsländer wie Kambodscha, Bangladesh und Vietnam ausgetragen. Den einzigen Vorteil, den sich die dortigen Unternehmen verschaffen können, sind niedrige Löhne und Produktionskosten. Meist sind es Frauen, die für gerade einmal ein bis zwei Euro pro Tag arbeiten. Trotz Überstunden und unmenschlichen Arbeitsverhältnissen können sie damit nicht ihre Existenz, geschweige denn die ihrer Familie sichern. Doch genau das sollte ein Lohn den Arbeitern bieten – dafür setzt sich die Fair-Fashion-Bewegung ein. Mit fairen Löhnen, naturschonender Produktion und dem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit bieten die Modelabels der Bewegung eine gute Alternative. So lobenswert diese Entwicklung ist, Fair Fashion ist weiterhin nur eine Nische – große Modeunternehmen dominieren weiterhin den Markt.

Die App „Fair Fashion?“

Nur welche der großen Marken bezahlen wenigstens Existenzlöhne – also das absolute Minimum, das Menschen zum Überleben brauchen? Genau darüber soll die App „Fair Fashion?“ den Konsumenten einen Überblick geben. Die App basiert auf einer Umfrage der Clean Clothes Campaign (CCC) unter unterschiedlichen Marken – mit dabei sind zum beispiel H&M, Decathlon, Gucci oder Aldi. 100 Modelabels beantworteten Fragen, wie sie ihre Arbeiter stärken und mit ihnen zusammenarbeiten. Die wichtigste Frage jedoch: Gibt es Strategien zur Umsetzung eines Existenzlohnes? Die App stellt eine gute Übersicht über die Antworten der Modelabels dar – und ergänzt die Selbstauskünfte um fachliche Einschätzungen von CCC sowie deren Ableger „Erklärung von Bern“. Beide setzen sich seit fast 30 Jahren für Verbesserungen in der Textilindustrie ein. Übersichtlich wird es dann durch eine Skala, die das Engagement zwischen einem lila „ungenügend“ bis zum grünen „gut“ bewertet. Nicht viele Unternehmen schneiden dabei wirklich gut ab – keine Marke landet im grünen Bereich. Lediglich Zara, Bershka und Massimo Dutti befinden sich im gelben Mittelfeld, da sie sich „auf dem Weg“ befinden. Hier wurden schon erste konkrete Schritte hin zu einer faireren Bezahlung eingeleitet, es muss jedoch noch einiges getan werden. Die App stärkt bei jedem Kunden das Bewusstsein für den dringend nötigen Wandel. Neben einer nachhaltigen Shopping-Beratung kann man durch ein Kontaktformular mit der jeweiligen Marke einen Dialog starten. Denn wenn die Unternehmen nicht von sich aus existenzsichernde Löhne zahlen, liegt es letztlich auch an den Konsumenten, entsprechenden Druck aufzubauen – oder die Marken sogar ganz zu boykottieren.

Die App „Fair Fashion?“ gibt es kostenlos für iOS im App Store sowie für Android im Google Play Store.
Quelle: enorm-magazin.de / Giersdorf

Dienstag, 7. November 2017

Palmöl: Nestlé und Mars brechen ihre Versprechen



Herkömmliches Palmöl stammt oft aus Plantagen, für die Regenwald abgeholzt wurde. Nestlé, Mars und Hershey wollten eigentlich schon länger kein Palmöl mehr von solchen Plantagen beziehen. Wie es aussieht tun sie es jedoch weiterhin.

Nestlé, Mars und Hershey verwenden Palmöl unter anderem für ihre Schokoriegel. Das Pflanzenöl ist jedoch ein höchst problematischer Rohstoff: Aufgrund der hohen Nachfrage werden Ölpalmen auf riesigen Plantagen angebaut, für die vielerorts illegal Regenwald gerodet wird – bedrohte Tierarten verlieren ihren Lebensraum und Urwaldvölker werden gewaltsam vertrieben. Schon vor mehreren Jahren haben große Unternehmen wie  Nestlé sich zum Ziel gesetzt, kein Palmöl mehr von Plantagen zu verwenden, für die Regenwald zerstört wird. Dem britischen Guardian zufolge beziehen aber alle Nestlé, Mars und Hershey weiterhin Palmöl, das im Leuser-Gebiet in Indonesien angebaut wird. In dem Gebiet leben unter anderem Tiger, Orang-Utans, Elefanten und Nashörner – die illegalen Palmöl-Plantagen zerstören ihren Lebensraum. Doch wie kann es sein, dass Unternehmen wie Nestlé, Mars und Hershey es nicht schaffen auf problematisches Palmöl zu verzichten – trotz öffentlicher Verpflichtung? Das Problem liegt in der Rückverfolgbarkeit des Palmöls. Die Unternehmen müssten erst einmal nachvollziehen können, aus welchen Plantagen ihr Palmöl eigentlich stammt. Aufgrund komplexer Produktions- und Lieferketten ist das aber oft nicht bekannt. Solange nicht klar ist, woher das Palmöl stammt, kann es auch aus problematischen Gebieten wie etwa dem Leuser-Naturreservat kommen. Nestlé, Mars und Hershey versprechen schon seit Jahren, ihre Zuliefererketten zu analysieren und bis zur Palmöl-Plantage zurückzuverfolgen – allerdings haben sie ihre Versprechen nicht gehalten. Das Aktionsnetzwerk „Aktionsnetzwerk Regenwald“ (Rainforest Action Network, RAN) spricht dabei sogar von bewusster Täuschung der Konsumenten.

Nestlé verschiebt seine Palmöl-Ziele

Nestlé hatte nach einer Greenpeace-Kampagne aus dem Jahr 2010 zugesagt, bis 2015 nur noch nachhaltig angebautes Palmöl für seine Produkte zu verwenden, für das kein Regenwald zerstört wird. Dieses Ziel hat Nestlé laut dem Guardian jedoch verfehlt. Eine Sprecherin von Nestlé nannte dem Guardian konkrete Zahlen: Derzeit könne Nestlé 90 Prozent des Palmöls zur Ölmühle und nur etwa zwei Drittel bis zur Plantage zurückverfolgen. Ein großer Anteil des verwendeten Palmöls stammt damit von unbekannten Quellen – also wahrscheinlich auch von illegalen Plantagen. Das Ziel nur noch nachhaltiges Palmöl zu verwenden hat Nestlé nun auf 2020 verschoben.

Mars: „Die Herausforderung ist offensichtlich“

Auch Mars hatte versprochen, kritisches Palmöl bis 2015 aus seiner Lieferkette zu verbannen. Das ist ebenfalls nicht gelungen. Bis heute bezieht Mars kritisches Palmöl – ein Sprecher erklärte gegenüber dem Guardian: „In diesem Jahr sind 97 Prozent unseres Palmöls bis zur Ölmühle zurückverfolgbar und 40 Prozent bis zur Plantage“. Der Sprecher räumte gleichzeitig ein, dass die Herausforderung im Leuser-Gebiet „offensichtlich“ sei und Mars bereits daran arbeite, etwas gegen das Problem zu tun.

Rückschritte mit Palmöl bei Hershey

Noch düsterer sieht es bei Hershey aus. Das Unternehmen ist einer der weltgrößten Schokoladenhersteller, die Marke ist in Deutschland jedoch weniger bekannt als etwa Nestlé. Auch Hershey erklärte, man wolle bis 2016 in der Lage sein, das gesamte Palmöl bis zur Plantage zurückzuverfolgen. Auch das ist nicht passiert, schreibt der Guardian. Das Gegenteil ist der Fall: Während Anfang 2016 noch 27 Prozent des Palmöls bis zu den Plantagen zurückverfolgbar waren, waren es Ende des Jahres nur noch 14 Prozent. Genau wie Nestlé hat Hershey die ursprüngliche Selbstverpflichtung auf das Jahr 2020 verschoben.

Verbrauchertäuschung

Unternehmen wie Nestlé, Mars und Hershey kommunizieren nach außen hin immer wieder große Ambitionen und Maßnahmen hinsichtlich eines nachhaltigeren Umgangs ihrerseits mit Palmöl. Liest man sich ihre Unternehmenswebseiten durch, könnte man den Eindruck bekommen, dass sie tatsächlich viel leisten. Das Aktionsnetzwerk Regenwald ist jedoch überzeugt, dass dahinter eine Masche steckt: „Nestlé, Mars und Hershey haben sich jahrelang ihre Palmöl-Ziele wie Rosinen herausgepickt und sie dann verschoben, wenn sie sie nicht erfüllt haben“, zitiert der Guardian die Organisation. „Unserer Ansicht nach haben die Marken die Konsumenten getäuscht, indem sie kontinuierlich behaupten, sie würden gegen Entwaldung vorgehen ohne die nötigen Maßnahmen umsetzen.“
Quelle: utopia.de, Bilder, greenpeace.de, regenwald.org, solikick.de,

Montag, 30. Oktober 2017

Sammelsysteme für Elektroschrott unzureichend



Viele Sammelsysteme für Elektroschrott sind verbraucherunfreundlich, passiv, arbeiten nicht flächendeckend und stellen sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Dies ist das Ergebnis einer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) durchgeführten Untersuchung von elf Anbietern von Sammelsystemen für Elektroaltgeräte. Nur wenn Elektroschrott verbraucherfreundlich und sicher zurückgenommen wird, kann die Umwelt effektiv entlastet werden. Die DUH fordert deshalb Sammelsysteme mit Nachdruck dazu auf, ihre Aktivitäten auf ein sehr gutes Niveau anzuheben. Scheinsysteme, die eine Sammlung nur alibimäßig vorgaukeln, darf es nicht geben. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband empfiehlt Händlern ihre Zusammenarbeit mit Rücknahmesystemen sorgfältig nach ökologischen und verbraucherrelevanten Kriterien zu überprüfen. Seit dem 24.7.2016 sind Händler gesetzlich zur Rücknahme von Elektroaltgeräten verpflichtet. Zur Sammlung von Elektroschrott beauftragen diese häufig Anbieter von Rücknahmesystemen. Daher hat die DUH elf in Deutschland tätige Rücknahmesysteme untersucht und bewertet, wie einfach sich alte Elektrogeräte abgeben lassen, wie gut Verbraucher über den Ablauf der Rückgabe informiert werden und wie die Systeme mit gefährlichen Produkten umgehen. Die DUH-Untersuchung zeigt: kein untersuchtes Rücknahmesystem bietet derzeit eine einfache und flächendeckende Sammlung für alle Gerätearten an. Etwa die Hälfte der Rücknahmesysteme setzt überwiegend auf den Postversand zur Altgeräterücknahme. Die DUH kritisiert diesen Ansatz aufgrund von Datenschutzbedenken, des hohen Aufwands für eine sichere Verpackung und eines steigenden Lieferverkehrs. Besonders problematisch ist der Paketversand entzündbarer Altbatterien und schadstoffhaltiger Altlampen.

Problemprodukte richtig entsorgen

"Damit Verbraucher deutschlandweit ihren Elektroschrott einfach und korrekt entsorgen können, muss es in jedem der etwa 8.000 Postleitzahlgebiete eine stationäre Sammelstelle geben. Viele Rücknahmesysteme erreichen diese Zahl nicht einmal annähernd. Aber auch Systeme mit augenscheinlich mehr Sammelstellen entpuppen sich bei näherer Betrachtung oft als Scheinlösung: Sie fordern Verbraucher dazu auf, ihnen den Elektroschrott per Paket zu schicken. Der Postversand ist jedoch sehr umständlich und bedeutet ein unkalkulierbares Risiko. Am Ende haftet schnell der Versender, wenn ein alter Laptop während dem Pakettransport Feuer fängt und hohen Sachschaden verursacht", kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. "Nicht alle Sammelsysteme schließen Altbatterien und Altlampen vom Postversand aus. Dies ist jedoch notwendig. Bei beschädigten Hochenergieakkus, zum Beispiel aus Laptops oder Akkubohrern, reicht eine Sicherung der Pole nicht aus. Hier sind spezielle Gefahrgutbehälter nötig. Zudem können Leuchtstofflampen beim Paketversand zerbrechen und Quecksilber freisetzen. Für diese Problemprodukte ist der Paketversand gänzlich ungeeignet", erklärt Philipp Sommer, stellvertretender Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der DUH. Elektrogeräte die ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen, sollten ausschließlich über stationäre Sammelstellen, beispielsweise über Sammelboxen im Handel, zurückgenommen werden.

Große Unterschiede in den Sammelsystemen


Die DUH-Untersuchung zeigt, dass bei den Sammelsystemen große Unterschiede in der Benutzerfreundlichkeit und Bereitstellung von Informationen über den Rücknahmeprozess bestehen. "Bei einigen Systemen wird die Rückgabe von Elektroschrott durch gut aufbereitete Informationen und eine Sammelstellenkarte vereinfacht. Andere Systeme scheinen jedoch gar nicht sammeln zu wollen. Wenn man 50 Kilometer zur nächsten Abgabestelle fahren oder erst aufwändig eine E-Mail-Anfrage stellen muss, vergeht einem schnell die Lust, Elektroschrott richtig zu entsorgen", sagt Sommer. Bei der Auswahl der Rücknahmesysteme sollten Händler genau darauf achten, ob diese wirklich für alle Geräte ein flächendeckendes Sammelstellennetz anbieten. Falls dies nicht der Fall ist drohen Händlern gemäß des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Ferner sollten die Rücknahmesysteme Händler dabei unterstützen, Verbraucher aktiv über die Rückgabe von Elektroaltgeräten zu informieren.


Quelle: UD/na, Foto: Wikipedia