Sonntag, 31. Mai 2015

Faire Biketour – von Baden-Württemberg zur Donau und ins Altmühltal


„Fair einkaufen-aber wie?“-Autor Frank Herrmann berichtet in unregelmäßigen Abständen von den Eindrücken und Erlebnissen auf seiner „Fairen Biketour 2015“ (Fotos am Textende).

Der Ruhetag in Ellwangen hatte mir sichtlich gut getan. Mit frischem Schwung und mal Rückenwind führte mich die Route über die schmucken Städtchen Nördlingen und Harburg bis zur Donau bei Donauwörth. Dort gab es ein wohl verdientes Eis, bevor es unerwartet wellig auf dem Donauradweg bis ins kleine Marxheim ging. Dort übernachtete ich zum ersten Mal in einem gemütlichen Gasthof mit Biergarten. Zum Abendessen gab es ein Potpourri von verschiedenen Knödelarten. Na klar, wenn man denn schon mal in Bayern ist.

Nie mehr zweite Liga ...

Durch mückenverseuchte Wälder abseits des Radwegs bahnte ich mir einen Weg entlang der Donau. Für die unerwartete Überquerung eines Donauzufluss über eine löchrige und nur rund 30 cm breite Fußgängerbrücke brauchte ich viel Kraft und gutes Timing mit dem schweren Fahrrad. Ein geplantes Selfie misslang leider. Wenig später war Ingolstadt erreicht. Dort geriet ich in die Aufstiegsfeier des FC Ingolstadt 04, der in der kommenden Saison die Bundesliga beglücken darf. Zur Party im Stadtzentrum waren rund 8.000 ausgelassene Fans gekommen.  Es war richtig was los und sogar die Sonne schien vorübergehend.

Wo bitte liegt Bettbrunn?

Ob ich mein Etappenziel ohne mein Fahrradnavi gefunden hätte, weiß ich nicht. Wahrscheinlich schon, aber mit viel Suchen und Fragen. Das kleine Dorf liegt rund 20 Kilometer nordöstlich von Ingolstadt in einer wunderschönen Waldlandschaft. Hier lebt die Familie, die ich über warmshowers.org kontaktiert hatte. Die Radbegeisterung der Eltern hat sich aber irgendwie nicht auf die beiden Söhne übertragen, die eher von motorisierten Untersätzen träumen. Die Eltern hingegen starten Ende August zu einer sechswöchigen Fahrradtour  ab Österreich über den gesamten Balkan nach Griechenland. Ziel ist die Insel Korfu.

Ab ins Kloster

Von Bettbrunn nahm ich eine tolle Radstrecke, die der stillgelegten ehemaligen Route der Schambachtalbahn bis nach Riedenburg im Altmühltal folgt. Hier traf ich auf den sehr beliebten Altmühltal-Radweg, was an der plötzlich stark angeschwollenen Zahl Radwanderer zu spüren war. Nach einer weiteren Stunde erreichte ich mein Tagesziel Dietfurt, wo ich an einem fünftägigen Zen-Meditationskurs im örtlichen Kloster teilnehme. Mehr hierzu im nächsten Blogbeitrag.

... Fortsetzung folgt






Donnerstag, 28. Mai 2015

„Who’s got the Power“ – Machtspiel ums Essen


Studie im Vorfeld des G7-Gipfels legt gefährliche Machtkonzentration in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten offen.

Im Vorfeld des G7-Gipfels Anfang Juni fordern die Hauptakteure des Fairen Handels in Deutschland die Bundesregierung auf, soziale Mindeststandards in globalen Lieferketten durchzusetzen. Gemeinsam veröffentlichen das Forum Fairer Handel e.V., GEPA, MISEREOR, TransFair e.V. und der Weltladen-Dachverband e.V. heute die deutsche Fassung einer aktuellen Studie des Fair Trade Advocacy Office in Brüssel zum Thema Marktmacht. Die Studie mit dem Titel „Wer hat die Macht? Machtkonzentration und unlautere Handelspraktiken in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten“ stellt umfassend die Benachteiligung kleinbäuerlicher Produzenten dar.

G7-Länder in der Bringschuld

„Wir begrüßen, dass die Bundesregierung die Gestaltung globaler Lieferketten auf die G7-Agenda gesetzt hat“, so Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair (Fairtrade Deutschland). Speziell für landwirtschaftliche Produktionsketten seien Mindeststandards für eine gerechte Globalisierung überfällig. Overath verweist auf die Ergebnisse der aktuellen Studie: „Die extreme Machtkonzentration verhindert Wettbewerb und damit faire Preise und Bedingungen. Darunter leiden insbesondere Kleinbauernkooperativen, deren Existenzgrundlage von ihren Exporten abhängt.“ Overath sieht daher die Regierungen wichtiger Importländer, vor allem der G7, in der Bringschuld: „Wenn soziale Mindeststandards kein Lippenbekenntnis bleiben sollen, müssen die G7 Transparenz in Lieferketten sicherstellen und sich für existenzsichernde Einkommen und Löhne einsetzen.“

Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung

MISEREOR-Geschäftsführer Thomas Antkowiak weist auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Lieferketten hin. „Im Textilsektor hat erst das Unglück der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch dazu geführt, dass Politik und Medien aufgewacht sind. Menschenrechtsverletzungen und unhaltbare Lebens- und Arbeitsbedingungen sind aber genauso auf Zuckerrohrfeldern auf den Philippinen und bei Kakaobauern in Nigeria, Kamerun und der Elfenbeinküste bittere Realität.“ Wie die Studie zeigt, kontrollieren beispielsweise nur drei Konzerne die Hälfte der globalen Kakao-Verarbeitung und fünf weitere Konzerne den Schokoladenmarkt. Alle stammen aus den G7-Ländern oder der Schweiz. „Diese Konzerne sind in der Pflicht, durch sorgfältige Prüfung dazu beizutragen, dass es in ihren Zulieferketten nicht zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Dazu brauchen wir in den G7 Ländern gesetzliche Regelungen. Hier ist auch die Bundesregierung gefordert“, erklärt Antkowiak.  

Alternative Fairer Handel

Als positives Beispiel für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards verweist die Studie auf den Fairen Handel. „Die Prinzipien des Fairen Handels – langfristige Verträge, kostendeckende Preise und transparente Handelsbedingungen – sollten Grundlage des gesamten Handels sein“, fordert daher Robin Roth, Vorstandsvorsitzender des Forums Fairer Handel.
Quelle: TransFair

Die deutsche Kurzfassung der Studie (6 Seiten) mit einer Auswahl an Grafiken und den politischen Forderungen gibt es hier.
Die deutsche Übersetzung der vollständigen Studie (52 Seiten) gibt es
hier.

Das kurze Video „Who's got the power?“ fasst die Kernbotschaften hier zusammen.

Montag, 25. Mai 2015

Faire Biketour 2015 erfolgreich gestartet



„Fair einkaufen-aber wie?“-Autor Frank Herrmann berichtet in Wort und Bild von den Eindrücken und Erlebnissen auf seiner „Fairen Biketour 2015“

Seit einigen Tagen sitze ich wieder auf dem Fahrrad, um Vorträge zu fairen Themen zu halten, Spenden für ein Projekt in Guatemala zu sammeln und Deutschland kennen zu lernen. Die erste Etappe führte nach der Zugfahrt Offenburg-Stuttgart bei kühlen Temperaturen und böigem Wind vom aufgrund des Umbaus sehr ungemütlichen Stuttgarter Bahnhofs nach Nürtingen immer am Neckar entlang, vorbei an Esslingen und Plochingen (netter Werbespruch der Stadtbetriebe zur Rohstoffsammlung: "Mischen impossible"). Eine gute Strecke zum Einrollen, denn ich hatte wenig Zeit, um mich körperlich auf die Tour vorzubereiten. In Nürtingen stand ein Vortrag zum Thema Fairer Handel auf dem Programm. Der Abend klang bei einem Bier mit meinen netten Gastgebern aus. 

Trocken geblieben!

Der nächste Tag begann mit Dauerregen und keiner guten Wettervorhersage. Doch gegen 12 Uhr hörte der Regen auf und eine halbe Stunde später saß ich im Sattel und fuhr auf welligem Gelände über Filderstadt nach Birkach bei Stuttgart, wo ich einen kurzen Boxenstopp mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen (Radfahrer sind immer hungrig) bei einer ehemaligen Kommilitonin einlegte. Danach bergab in das wenig fahrradfreundliche Stuttgart, das ich durchqueren musste, um zu meinem Etappenziel Zuffenhausen zu gelangen. Dort traf ich spät, aber trocken ein. Nur eine Stunde später saß ich vor meinem Publikum, das gekommen war, um meinem Vortrag zu lauschen. Auch hier wurde es bei einem Bier mit den Gastgebern Mitternacht, bevor ich ziemlich groggy ins Bett fiel. Heute fand fast zeitgleich zu meinem Vortrag in Stuttgart und anderen Städten weltweit der „Ride of silence“ statt, eine Fahrradrundfahrt in Gedenken an die vielen toten Radfahrer, die der Straßenverkehr weltweit Jahr für Jahr fordert (in Deutschland mehr als 400 pro Jahr!). Da wäre ich natürlich gerne mitgeradelt!

Es geht bergauf!

Die nächste Etappe von Zuffenhausen nach Eislingen an der Fils begann mit einem Besuch beim Fahrradhändler, da meine frisch gewarteten Scheibenbremsen nicht richtig funktionierten. Daraus sollte in den kommenden Tagen ein Dauerthema werden. Begleitet von zwei netten ortskundigen Senioren, die sich schon am Vortag für das Mitradeln auf der heutigen Etappe angeboten hatten, ging es ein wenig später als geplant los. Zunächst bergab durch das reizvolle Feuerbacher Tal und dann über Wendlingen zur Rems, an der ein landschaftlich schöner Radweg entlang führt. Kurios sind sicherlich die Wasserschildkröten, die sich dort in der Sonne aalten. Mittagpause war in Schorndorf, ebenso ein weiterer Besuch bei einem Radhändler, um das Bremsenproblem (sie schleifen und die Räder haben nicht genug Freilauf). Danach stand ein heftiger Anstieg durch den Schurwald an (z. T. 23 Prozent) an, den ich auf Schotterpiste streckenweise nur schiebend bewältigen konnte. Immerhin muss ich ja rund 40 Kilo (Rad und Gepäck) bewegen. Zudem machte das Bremsenproblem das Radfahren nicht leichter. Als Entschädigung bot sich mir auf dem höchsten Punkt ein toller Blick über einen Großteil der Schwäbischen Alb. Danach ging es hügelig weiter bis Eislingen an der Fils, das ich erst kurz vor 19 Uhr erreichte. Hier Übernachtung bei einem jungen deutsch-amerikanischen Paar, das ich über warmshowers.org kontaktiert hatte, einer Webseite von und für Radler, bei denen man privat kostenlos übernachten kann.  

Ausgebremst!

Statt am nächsten Vormittag loszuradeln, war erneut ein Besuch in einer Fahrradwerkstatt wegen der Bremsen angesagt. Der freundliche Radhändler erklärte sich zur Reparatur bereit, nannte mir aber 14.30 Uhr als frühsten Abholtermin. Die Wartezeit überbrückte ich mit diversen Schreibarbeiten, Spaghetti mit Soße und frischen Erdbeeren. Um 15 Uhr ging es dann endlich mit teilreparierten Bremsen los. Nach drei Stunden, einer Lamaherde, einem harten Anstieg und starkem Gegenwind erreichte ich Aalen, wo ich mit einem Schlusssprint den Zug nach Ellwangen erwischte (mit dem Fahrrad wäre es sonst heute einfach zu spät geworden), allerdings ohne Zeit zu haben, eine Fahrkarte zu kaufen. Zum Glück gab es keine Kontrolle, die mich 40 Euro gekostet hätte. Das Ticket kaufte ich dann nachträglich im 20 Fahrminuten entfernten Etappenziel Ellwangen. Dort wohnen Freunde von mir und hier konnte ich meinen ersten Ruhetag genießen.  

Fortsetzung folgt ...

Hier gibt es alle Infos rund um die „Faire Biketour 2015“







Freitag, 22. Mai 2015

Greenpeace-Studie: Pestizide gefährden Landwirte und Verbraucher



Der starke Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft schädigt die Gesundheit: Am stärksten betroffen sind Landwirte, deren Familien sowie Bewohner ländlicher Räume. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Greenpeace-Studie „Pestizide und unsere Gesundheit – die Sorge wächst“. Gefährdet seien jedoch auch Konsumenten und insbesondere Kleinkinder sowie Ungeborene. „Diejenigen, die unsere Lebensmittel produzieren, werden gefährlichen Pestiziden ausgesetzt – das ist unverantwortlich“, sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. „Wir fordern von Landwirtschaftsminister Schmidt verbindliche Regelungen, die Pestizide in der Landwirtschaft radikal reduzieren. Die Neubewertung zum Krebsrisiko von Glyphosat zeigt, dass bisherige Zulassungskriterien nicht ausreichen.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte im März 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Der Bericht der Umweltschutzorganisation fasst Ergebnisse aktueller wissenschaftlicher Studien zum Einsatz von Pestiziden zusammen und stellt die daraus folgenden gesundheitlichen Probleme für verschiedene Bevölkerungsgruppen dar.
Quelle: Biomarkt online


Dienstag, 19. Mai 2015

Kleinbauern: Für eine Welt ohne Hunger




Ein von der Welthungerhilfe e.V. angestoßener einjähriger Konsultationsprozess, der die Rechte und Lebensgrundlagen von benachteiligten Kleinbäuerinnen und -bauern in den Ländern des Südens in das Bewusstsein von Politik und Öffentlichkeit rücken soll, mündete im Februar in einem Treffen internationaler Landwirtschaftsexperten. Die Ergebnisse der Konferenz wurden in Form des „Berliner Memorandum“ niedergeschrieben und sollen auf dem G7-Gipfel vorgelegt werden.
Quelle: TransFair