Mittwoch, 30. April 2014

Fair übernachten: Certified und Fairtrade entwickeln Hotelzimmer


Auf einem Treffen von Vertretern der Hotelzertifizierung Certified und Fairtrade Deutschland entstand die Idee, Hotelzimmer mit Fairtrade-Produkten auszustatten. Hierzu zählen unter anderem Bettwäsche und Handtücher aus Fairtrade-Baumwolle, Kosmetik, Kaffee, Tee, Softdrinks sowie Schokolade aus fairer Produktion. "Die Nachfrage nach öko-sozialen Angeboten wächst. Durch glaubwürdiges Engagement für faire und biologische Produkte können sich Hotels von der breiten Masse abheben. Mit den Certified Green Hotels haben wir einen starken Partner gefunden, der unser Anliegen unterstützt, Nachhaltigkeit in der Hotellerie glaubwürdig und aktiv nach vorn zu bringen", freut sich Dieter Overath, Geschäftsführer von Fairtrade Deutschland. 

Nachhaltigkeit erlebbar machen

Mit Hilfe von Informationsbroschüren und Warenproben zum Mitnehmen wird gewährleistet, dass dem interessierten Gast relevantes Hintergrundwissen vermittelt wird. Der Gast soll die hohe Qualität der nachhaltigen Produkte erleben und die positive Erfahrung mit nach Hause nehmen. "Wir sind begeistert, mit Fairtrade einen prominenten und positiv besetzten Pionier in Sachen fairer Handel als Kooperationspartner zu  gewinnen. Mit den Fairtrade-Hotelzimmern geben wir den Gästen die Möglichkeit, das Thema Nachhaltigkeit direkt wahrzunehmen und es begreifbar zu machen. Somit spüren die Gäste die Wertigkeit der nachhaltigen Produkte", fügt Till Runte, Geschäftsführer von Certified, hinzu. Vor zwei Jahren wurde das Zertifikat für nachhaltig agierende Hotels ins Leben gerufen. Bereits 85 Hotels haben die Prüfung erfolgreich absolviert und tragen nun das Siegel "Certified Green Hotel" des Geschäftsreiseverbands VDR. Die ersten Fairtrade-Hotelzimmer sollen im Laufe des Jahres verfügbar sein. 
Quelle: Certified

Sonntag, 27. April 2014

Deutsche Fischbestände 2014 bereits erschöpft!




Seit dem 6. April übersteigt der deutsche Fischkonsum mit mehr als 15 Kilogramm pro Kopf und Jahr die legalen Fangmöglichkeiten deutscher Fischer in EU-Gewässern. Ab dem so genannten Fish Dependence Day ist Deutschland statistisch gesehen für den Rest des Jahres vollständig auf den Import von Fisch und Meeresfrüchten angewiesen. Darauf weist die europaweite OCEAN2012-Allianz gemeinsam mit Slow Food Deutschland und Brot für die Welt hin.

Fish Dependence Day Richtung Jahresende verschieben

Die Organisationen fordern die Bundesregierung auf, mit einer zügigen Umsetzung der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) den Wiederaufbau und die nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände in der EU ab 2015 zu gewährleisten. Ziel sollte sein, den Fish Dependence Day möglichst Richtung Jahresende zu verschieben. Der Fish Dependence Day ist ein Indikator dafür, wie gut der heimische Bedarf an Fisch aus eigenen Gewässern gedeckt werden kann. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sind darauf angewiesen, dass eine verantwortungsvolle Fischereipolitik den Konsum von Fisch aus nachhaltigen heimischen Beständen ermöglicht. "Für eine wachsende Zahl von Menschen sind Verantwortung und Nachhaltigkeit Voraussetzung für Genuss und Genießen - die Erschöpfung oder Verschwendung der Meeresressourcen vor unserer Haustür ist gesellschaftlich nicht zu akzeptieren", erklärt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland."

EU-Fangflotte fischt armen Ländern die Eiweißquelle weg

Nur mit gesunden, das heißt genügend großen Fischbeständen, kann die Abhängigkeit von Fischimporten, deren nachhaltiger Ursprung oft zweifelhaft ist, verringert werden. "Die EU und Deutschland als weltgrößter Importmarkt für Fisch sind mit verantwortlich für die weltweite Überfischung. Sie führt auch dazu, dass Fisch den Menschen in armen Ländern als wichtigste Eiweißquelle fehlt. Die EU muss dazu ihre eigene Fangkapazität auf den Weltmeeren drastisch reduzieren. Fischereiabkommen mit Entwicklungsländern darf es nur bei wirklichen Überschüssen für wenige Arten geben und der Fisch sollte in den Ländern selbst verarbeitet werden, um Arbeitsplätze zu schaffen", betont Francisco Mari, Fischereiexperte von Brot für die Welt.
Quelle: fNW 
Hier geht es zum Bericht der englischen New Economics Foundation (nef), dem die Daten für den Fish Dependence Day zugrunde liegen: www.neweconomics.org/publications/entry/fish-dependence-2014-update


 

Donnerstag, 24. April 2014

Rana Plaza: Für Gerechtigkeit und wider das Vergessen

Vor genau einem Jahr, am 24. April 2013, stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Dhaka, der Hautstadt von Bangladesch, ein. 1138 Arbeiterinnen und Arbeiter starben, mehr als 2400 wurden verletzt und rund 200 sind noch immer unter den Trümmern begraben. In den fünf Fabriken von Rana Plaza ließen renommierte internationale Textilfirmen fertigen, darunter Adler Modemärkte (Deutschland), C&A (Belgien), Carrefour (Frankreich), El Corte Ingles (Spanien), Güldenpfennig (Deutschland), Kids for Fashion (Deutschland), KiK (Deutschland), Walmart (USA). Obwohl einige Unternehmen erste Zahlungen in einen Entschädigungsfond geleistet haben, weigern sich andere.

Spärliche Entschädigungen

Aus der Sicht der Hinterbliebenen muss es ein Affront sein: Ein Jahr nach der Katastrophe, die ihr Leben für immer verändert hat, warten sie weiter auf eine angemessene Entschädigung. Gerade einmal umgerechnet 460 Euro wurden den 3000 Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Hinterbliebenen durch Vize-Arbeitsminister Mujibul Haque Chunnu und Gilbert Fossoun Houngbo von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ausgezahlt. Viel zu wenig und erst ein Bruchteil der von der ILO errechneten 40 Millionen, die notwendig sind, um alle Betroffenen für ihre Einkommensverluste und medizinischen Kosten finanziell zu entschädigen.

Einige Unternehmen verweigern die Zahlung

Beschämend, denn die 29 mit Rana Plaza in Verbindung gebrachten Bekleidungsmarken erzielen gemeinsam Gewinne von weit über 22 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Nun schaffen sie es nicht einmal, weniger als 0,2 Prozent dieser Gewinne für die Menschen auszugeben, die diese Gewinne erst möglich gemacht haben. An Ausreden mangelt es den Unternehmen nicht: Beliebt ist vor allem das Argument, man habe lediglich über Zwischenhändler Waren aus der eingestürzten Fabrik bezogen. So haben bis heute deutsche Unternehmen wie NKD und Adler Modemärkte oder die italienische Modekette Benneton keine Entschädigung geleistet. Sie haben Angst einen Predenzfall zu schaffen. Sehen wer bezahlt hat und wer nicht, kann man auf der Webseite des Rana Plaza Trust Fund.

Deutscher Einzelhandel hat wenig Konkretes vorzuweisen

Die Bilanz des deutschen Einzelhandels ein Jahr nach der Katastrophe sieht wenig überzeugend aus.  Die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) erklärte, der Einzelhandel stelle sich "im Rahmen seiner Möglichkeiten" der Verantwortung. Jedoch müssten auch die Verantwortlichen vor Ort die Verbesserungen mittragen. Durch den großen internationalen Druck habe es bereits ein Umdenken bei Regierung und Unternehmen in Bangladesch gegeben. Wichtige Fortschritte habe es bereits durch ein Abkommen über bessere Feuer- und Gebäudesicherheit gegeben. Seit Anfang 2014 überprüfe eine Initiative des europäischen Einzelhandels auch unangekündigt Produktionsstätten mit verschärften Prüfkriterien.

Es geht auch uns an

Doch die Schuld nur bei Unternehmen und Politik zu suchen, ist zu kurz gegriffen. Es sind wir alle, die bei den Firmen Textilien kaufen, die im Rana Plaza fertigen ließen. Und nur wenn wir Druck auf diese Unternehmen ausüben, wird schneller etwas passieren. Dazu zählt, den Unternehmen zu schreiben und sie aufzufordern ihren Zahlungsversprechen für den Hilfsfond nachzukommen, das Personal in den Läden darauf anzusprechen und allgemein bessere Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in Billiglohnländern zu fordern. Reagieren die Unternehmen nicht, wird dort einfach nicht mehr gekauft, gefolgt von einem Schreiben an das jeweilige Unternehmen mit Begründung (der Boykott richtet sich nicht gegen Mode aus Bangladesch sondern gegen das Unternehmen!). Und nicht vergessen eine gelegentliche Spende an die Organisationen zu leisten, die sich für die Menschen in Bangladesch oder anderswo einsetzen und die meist nur über sehr begrenzte finanzielle Mittel verfügen.
Quelle: Kampagne für saubere Kleidung, FIAN, Nachhaltig Wirtschaften, Spiegel Online

Mehr Information rund um die Entschädigungszahlungen für die Opfer des Rana Plaza und Aktionen am heutigen 24. April finden sich bei den Organisationen FIAN und Kampagne für Saubere Kleidung  

Montag, 21. April 2014

Algenöl statt Palmöl – ökologischer und klimaverträglicher


"Procter & Gamble verarbeitet schmutziges Palmöl in seinen Produkten" lautete ein Blogbeitrag vom 16. März. Dass es auch anders geht, zeigt nun die die belgische Firma Ecover. Sie will als weltweit erster Hersteller von nachhaltigen Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln ein neues Waschmittel auf den Markt bringen, in dem Palmöl durch Algenöl ersetzt wird. Das Unternehmen kündigte an, dass das neue palmölfreie Flüssigwaschmittel genauso effektiv wirksam sein wird wie das aktuelle und noch 2014 europaweit verfügbar sein wird. Mit dem Verzicht auf Palmöl ist ein erster wichtiger Schritt getan, um langfristig die Abhängigkeit von sämtlichen Palmöl-Inhaltsstoffen zu verringern und diese letztlich vollkommen auszuschließen. Ecovers langfristiges Ziel ist es, innerhalb der gesamten Produktpalette Palmöl und Palmkernöl zu ersetzen. Dirk Develter, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Ecover, sagt: „Algenöle sind qualitativ sehr hochwertig, haben aber einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck als tropische Öle, wie etwa Palmöl. Das macht sie ideal für den Einsatz in Pflegeprodukten und Reinigungsmitteln, wo tropische Öle häufig Verwendung finden.“

Beträchtliche Vorteile gegenüber Palmöl

Im Rahmen der Forschungsarbeiten zu Ersatzstoffen für Palmöl habe man festgestellt, dass mit Algen eines der reinsten und saubersten Öle hergestellt werden kann. Die Nutzung von Algenölen und ähnlichen Technologien sollen stetig – für alle Produkte und weltweit weiterentwickelt werden. Durch den Verzicht auf Palmöl leistet Ecover einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von bedrohten Regenwäldern und den darin lebenden Tieren. Da Algen lokal angebaut werden können, ist die Produktion von Algenöl unabhängig von einem bestimmten Standort und kann praktisch überall auf der Welt, wo Produktionsanlagen zur Verfügung stehen, hergestellt werden. Damit unterstreicht Ecover sein Ziel, Rohstoffe möglichst regional und innerhalb einer transparenten Lieferkette zu beziehen. Zudem kann das Unternehmen durch die Verwendung der Algenseife seine CO2- Emissionen erheblich reduzieren: Laut dem Nachhaltigkeitsberater PE International benötigt die Produktion von Algenöl bis zu 16-mal weniger CO2 als die Herstellung von anderen natürlichen Ölen. Die Untersuchungen von PE International zeigen außerdem, dass die Produktion von Algenöl sowohl weniger Anbaufläche als Palmöl, als auch weniger Wasser als beinahe jedes andere pflanzliche Öl benötigt. Zudem dient das nährstoffreiche Abwasser aus der Algenölproduktion als Düngemittel.
Quelle: Ecover

Die Firma Procter & Gamble (u.a. Meister Proper, Head&Shoulders, Gillette, Oil of Olaz) will erst ab 2020 kein Palmöl mehr aus Regenwaldrodung verwenden. Das ist zu spät! Bis 2020 ist der Wald weg! Machen Sie dem Konzern klar: Abholzung sofort stoppen! (Kampagne von "Rettet den Regenwald")  

 

Freitag, 18. April 2014

Neu: Fairtrade-zertifizierte Kosmetikprodukte


Dem Trend zu nachhaltiger Kosmetik trägt TransFair Rechnung, und führt in Deutschland das Fairtrade-Siegel für Kosmetik ein. Zunächst sind Handcremes, Gesichtscremes und eine Lippenpflegeserie von Fair Squared sowie eine Fußlotion und Zahnreinigungstabs von Lush erhältlich. Für den Hotel- und Gaststättenbereich wird in Kürze eine Pflegeserie des Herstellers ADA Cosmetics International erscheinen.

Die ersten Produkte enthalten Fairtrade-Oliven- und Mandelöl

Fair Squared bezieht für seine Pflegeprodukte extra natives und bio-zertifiziertes Olivenöl von der Produzentenkooperative Canaan im Westjordanland“, so Oliver Gothe, Geschäftsführer von Fair Squared. Wie bei allen Fairtrade-Produkten bekommen die Produzenten einen Fairtrade-Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie, mit der sie Gemeinschaftsprojekte umsetzen können. Mandelöl aus Jenin im Westjordanland ist einer der Rohstoffe für die Fairtrade-Kosmetikprodukte von Lush. Der Faire Handel mit Mandelöl ist ein neuer Produktbereich für die Produzenten, die hauptsächlich Olivenöl anbauen. So konnte eine dauerhafte Unterstützung der Kleinbauern in der Region etabliert werden. „Fairer Handel als eine der tragenden Säulen von Lush spielt stets eine übergeordnete Rolle bei der Rohstoffbeschaffung. Wir achten sorgfältig darauf, dass unsere Handelsbeziehungen einen nachhaltigen Mehrwert für unsere Produzenten schaffen“, so Tanja Umbach, Brand Managerin von Lush Deutschland.

Transparente Kennzeichnung der Produkte

Ein Großteil der bereits existierenden Fairtrade-Rohstoffe kann auch in Kosmetikartikeln verarbeitet werden. Dadurch sind über 200 natürliche Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Kakaobutter, Mandelöl oder Honig für die Produktion von Kosmetikprodukten verfügbar. Durch die zusätzliche Produktkategorie erschließen sich den Fairtrade-Produzenten neue Märkte, da ihre Rohstoffe nun auch für Kosmetik nachgefragt werden. Welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit Kosmetikartikel  das Fairtrade-Siegel tragen dürfen, erläuterte Dieter Overath von TransFair: „Alle Inhaltsstoffe eines Fairtrade-Kosmetikproduktes, die als Fairtrade-Rohstoffe verfügbar sind, müssen auch Fairtrade-zertifiziert sein.“ Produkte, die auf der Haut bleiben wie Cremes oder Lippenstifte, müssen zu mindestens fünf Prozent aus zertifizierten Rohstoffen bestehen. Bei Produkten, die abgewaschen werden und bei denen der Wasseranteil sehr groß ist, wie Duschgels oder Shampoos, beträgt der Mindestanteil zwei Prozent. Bei vielen Produkten können jedoch auch deutlich höhere Anteile erzielt werden, wie zum Beispiel Seifen aus Shea-Butter – hier liegt der Anteil bei 50 Prozent.  Um die Transparenz für die Verbraucher zu gewährleisten wird das Siegel immer in Kombination mit dem Hinweis „mit Fairtrade-Zutaten” auf den Kosmetikartikeln erscheinen. Auf der Produktrückseite müssen zudem die einzelnen Fairtrade-zertifizierten Inhaltsstoffe und ihr prozentualer Anteil am Gesamtprodukt angegeben werden.

Aufbau von Strukturen im Süden

Das Ziel von Fairtrade, die Organisationsstrukturen in den Produzentenländern zu fördern, spiegelt sich auch bei Fairtrade-Kosmetik wider: Zusätzlich zu Fairtrade-Mindestpreis und -Prämie fließen 50 Prozent der Lizenzgebühren, die von den Unternehmen an TransFair gezahlt werden, zurück an Fairtrade International, um Projekte vor Ort zu finanzieren. „Fairtrade ist eine Bewegung, die von Produzenten getragen wird. Damit dies auch umgesetzt werden kann, brauchen wir stärkere Strukturen im Süden“, so Overath. TransFair erhofft sich, dass die Produktpalette an Kosmetik mit Fairtrade-Inhaltsstoffen im weiteren Jahresverlauf wächst. Mehr Verkaufsstellen und weitere Produktkategorien sollen hinzukommen, sodass Verbrauchern die Suche nach nachhaltiger Kosmetik erleichtert wird. Seit Kurzem gibt es zudem die ersten „Fairtrade-Hotelzimmer“, bei denen die Produkte fest eingeplant sind.
Quelle: Fairtrade Deutschland

Factsheet Fairtrade-Kosmetik:

Dienstag, 15. April 2014

Traumland Brasilien – Albtraum Orangenanbau


Ein aktueller Test von Stiftung Warentest belegt prekäre Arbeitsbedingungen in der Produktion von O-Saft in Brasilien und die fehlende Verantwortung deutscher Supermarktketten.

Massive Arbeitsrechtsverletzungen im Orangenanbau

Eine umfassende Recherche der entwicklungspolitischen Organisation Christliche Initiative Romero (CIR) deckte bereits im Oktober 2013 massive Arbeitsrechtsverletzungen im Anbau von Orangen und in der Herstellung von Orangensaft im Produktionsland Brasilien auf (s. Blogbeitrag vom 20. Oktober 2013). Die veröffentlichte Untersuchung der Stiftung Warentest mit Fokus auf die Unternehmensverantwortung (CSR) der deutschen Saft-Anbieter von Aldi bis Pfanner belegt diese Ergebnisse erneut. Nur bei einem Orangensaft bewertet die Stiftung Warentest die Produktionsbedingungen mit "Gut". Alle anderen Anbieter engagieren sich "befriedigend" oder sogar nur "ausreichend" für Umwelt und Soziales.

Mehr Transparenz über die komplette Lieferkette gefordert

Erschreckend, wenngleich keineswegs überraschend, ist auch, dass die von Stiftung Warentest befragten Anbieter von O-Saft in der Regel nicht wissen, von welchen Plantagen die Orangen für ihre Säfte kommen. "Dies deckt sich mit der Erfahrung der Christlichen Initiative Romero aus anderen Handelsbranchen, insbesondere der Bekleidungsindustrie, und unterstreicht unsere Forderung nach umfassender Transparenz über die komplette Lieferkette", so Sandra Dusch Silva, Referentin für Unternehmensverantwortung bei der CIR. Die negativen Ergebnisse des aktuellen CSR-Test der Stiftung Warentest machen erneut deutlich, dass öffentlicher Druck auf die deutschen Lebensmitteleinzelhändler gefragt ist. "Es muss endlich eine branchenweite Lösung geben, um die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Brasilien zu verbessern", fordert Dusch Silva. Mehr als 1.800 Menschen rufen die Handelsriesen Edeka, Rewe, Aldi und Lidl im Rahmen einer von der CIR initiierten Protestaktion bereits auf, mehr sozialer Verantwortung zu übernehmen. Bis Mai 2014 können sich weitere kritische Konsumenten dem Appell anschließen.

Für die Plantagenarbeiter bleibt kaum Geld übrig

Ein brandneuer Videoclip der CIR, produziert von ecofilm, wirft auf humorige Art ein Licht auf die zumeist noch unbekannte Seite von Brasilien. Denn das südamerikanische Land ist nicht nur von traumhaften Stränden, Zuckerhut und Fußball geprägt. Es ist auch Marktführer in der Produktion von Orangensaft. Und die Realität der Arbeiter auf den Orangen-Plantagen ist alles andere als 'traumhaft'. Von einem für 89 Eurocent vertriebenen Liter Orangensaft gehen gerade mal 20 Eurocent an das Herstellungsland Brasilien - für den Anbau und die industrielle Produktion. Die Plantagenarbeiter und -arbeiterinnen sehen von dem Geld so gut wie nichts.
Quelle: Umweltdialog

Hier geht es zum Videoclip: