Samstag, 29. Juni 2013

Tourismus – die Müllberge werden immer größer



Die Sommerferien nahen und mit Ihnen auch die Lust auf Meer, Sandstrand und Palmen. Aber egal, wo wir unseren Urlaub auch verbringen, wir hinterlassen Spuren in Form von Abfällen. Touristen erzeugen in der Regel mehr Müll als die Einheimischen. Denn in der schönsten Zeit des Jahres verhalten wir uns weniger ökologisch als zu Hause und greifen verstärkt zu Wegwerfprodukten, deren Entsorgung vielen Orten auf der Erde inzwischen ernsthafte logistische und finanzielle Schwierigkeiten bereitet.

Eine Traumlagune wird zur Müllhalde


Wer hat noch nicht von einem Besuch der Malediven geträumt, dem Inselparadies im Indischen Ozean nahe der Südspitze Indiens. Der Tourismus ist innerhalb weniger Jahrzehnte zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden und trägt nach Angaben von Wikipedia inzwischen 30 % zum Bruttoinlandsprodukt der Inselrepublik bei. Rund 800.000 Touristen (darunter knapp 10 % alleine aus Deutschland) jährlich besuchen die mehr als 80 touristisch genutzten  Eilande. Doch neben Devisen  hinterlassen die Besucher auch beträchtliche Mengen Müll, Umweltorganisationen zufolge etwa 7,2 Kg pro Tag und Person (der Durchschnitt der OECD-Staaten liegt bei 2,1 Kilogramm pro Kopf und Tag). Was passiert mit den gewaltigen Müllmengen?


Thilafushi – eine grenzwertige Erfahrung

Ein Großteil des Mülls landet auf Thilafushi, einer rund sieben Kilometer langen und 200 Meter breiten mit Müll aufgeschütteten Lagune, bis zu Beginn der 1990er Jahre ein unberührtes Korrallenriff. Mit einem idyllischen Tropenatoll hat das rund 6,8 Kilometer westlich der Hauptstadt Malé gelegene Thilafushi heute nichts mehr zu tun. Täglich landen auf der größten Müllinsel der Erde rund 400 Tonnen Abfall, von Hotels aber auch von den Bewohnern Malés. Um die Entsorgung des Unrats kümmern sich 150 Bengalen mit Hilfe von drei Landungsbooten, 20 LKW, sechs Baggern, vier Radladern, einer Müllpresse und einem Bulldozer. Ein Aufenthalt auf Thilafushi ist eine Grenzerfahrung, wie Videos von der BBC und Al Jazeera eindrucksvoll belegen.

Weltweit steigen die Müllberge

Doch nicht nur die Malediven leiden unter den riesigen Müllbergen, auch in anderen Urlaubsregionen drohen die Menschen wortwörtlich im Müll zu ertrinken. In Indien macht der Müll aus dem Tourismus 36 Prozent des gesamten Abfalls aus, in der Dominikanischen Republik sind es gar 70 Prozent. Aber auch in Europa steigen die Abfallmengen während der Reisesaison stark an. Viele Hotelstrände wären voller Plastikmüll, würden sie nicht ständig gereinigt. Denn in den Weltmeeren treiben Millionen Tonnen von Müll, die sich nur langsam zersetzen und viele Tiere töten, die qualvoll am Plastikmüll zugrunde gehen.

Kosten- und Umweltproblem für Entwicklungsländer

Besonders Entwicklungsländer sind mit der Entsorgung des Mülls völlig überfordert. Dieser landet meist auf wenig fachgerecht angelegten Deponien, die oftmals lecken, das Grundwasser kontaminieren und treibhauswirksame Methangase ausstoßen. Teure Müllverbrennungsanlagen mit Filtern können sich die meisten Länder nicht leisten. Daher wird ein Teil des Mülls offen verbrannt, wobei toxische Gase freigesetzt werden. Die Asche enthält hohe Konzentrationen an giftigen Schwermetallen. Einer Weltbankstudie zufolge wird sich die Produktion von Abfall in Staaten mit niedrigen Einkommen bis 2025 verdoppeln. Dort werden sich die Kosten für die Müllentsorgung verfünffachen. Schon jetzt kostet die weltweite Abfallbeseitigung jährlich mehr als 200 Milliarden US-Dollar.

Mit gutem Beispiel voran

In diesem Bewusstsein sollten gerade Touristen mit gutem Beispiel voran gehen. Sie erzeugen zwar nur einen Teil des Mülls auf der Erde, dafür aber pro Person überproportional viel. Wenn wir reisen, sollten wir die besuchten Regionen und Länder daher nicht unnötig zumüllen. Einfach nur bezahlen und wieder wegfliegen reicht heutzutage nicht mehr aus. Die gesamte Branche, die Regierungen der betroffenen Länder aber auch die Touristen müssen stärker in die Pflicht genommen werden. Ein umweltbewusstes Reiseverhalten vor Ort sollte selbstverständlich sein.

Was kann man konkret tun? Auf der Webseite von fairunterwegs finden sich konkrete Tipps zum Umgang mit Abfall vor, während und nach der Reise: http://www.fairunterwegs.org/aktuell/aktionen/augen-auf-beim-ferienkauf/aktiv-werden-abfall.html

Donnerstag, 27. Juni 2013

Wahl der fairsten Schulklasse Deutschlands



Die fairste Schulklasse der Republik ist die Klasse 10a des Maria-Ward-Gymnasiums in Günzburg. Deren Schülerinnen gewannen den bundesweiten Wettbewerb, den der Verein Fair Trade im letzten Herbst bundesweit für weiterführende Schulen ausgeschrieben hatte, um langfristiges Engagement zum Fairen Handel zu fördern.

Fairer Konsum bewegt Jugendliche

Mit einer phantasievollen Taschenparade, darunter selbst gestaltete Stoffbeutel mit dem Aufdruck „Fair Trade is the new Chanel“ oder „Fair isn’t just a FAIRYTALE“, setzten sich die Schülerinnen aus Günzburg gegen rund 6.000 Schülerinnen und Schülern durch, die sich ebenfalls am Wettbewerb „Fairste Klasse gesucht!“ beteiligt hatten. An über 400 Schulen wurden Jugendliche mit viel Kreativität aktiv. Von Flashmobs bis zu fairen Kochduellen war alles dabei. Dies beweist, dass die Frage, wie fairer Konsum geht, für Jugendliche von großer Bedeutung ist“, so Sussan Ipaktschi, Vorsitzende des Fair Trade e.V.

Engagierte Preisträger

Die Schülerinnen der Siegerklasse luden über Facebook zu ihrer Taschen-Show ein, machten lokale Pressearbeit, bezogen den örtlichen Weltladen ein und ergänzten ihre Aktionen um Vorträge in Grundschulen und Nachbarklassen. Nun darf sich die Klassenkasse über eine Siegprämie von 2000 Euro freuen. Mit 1500 Euro kann sich die zweitplatzierte Eine-Welt-AG (8.-12. Klasse) des Erasmus-Gymnasiums Denzlingen für ihre Fastnachtsaktion „Süße Fairsuchung“ trösten. Mit dem dritten Platz und 1000 Euro wurde die Klasse 6a der Realschule im Kreuzviertel Münster für ihr Theaterstück „Verkehrte Welt“ zum Thema Schokolade und den Song „Deine Schuld“ ausgezeichnet. Den Sonderpreis, einen fairen Warenautomaten „FAIR-o-mat“, bekam das Berufskolleg Borken.

Große Reichweite

Insgesamt konnte der Wettbewerb „Fairste Klasse gesucht“ über Schulveranstaltungen, Facebook, lokale Pressearbeit sowie die Einbindung externer Organisationen schätzungsweise mehr als 100.000 Menschen erreichen. Viele Klassen und Gruppen planen weitere Aktionen und möchten beispielsweise einen regelmäßigen Verkaufsstand einrichten. Der veranstaltende Fair Trade e.V. wird getragen von der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej), dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, dem Kindermissionswerk “Die Sternsinger“ und MISEREOR.

Wettbewerb stößt langfristiges Engagement an

Gefördert wurde der Wettbewerb von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW und den Hilfswerken Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst und MISEREOR. „Die Phantasie und das Engagement der Jugendlichen haben mich überwältigt. Es ist wunderbar zu sehen, dass der Wettbewerb größtenteils auch langfristiges Engagement zum Fairen Handel angestoßen hat“, sagt GEPA-Geschäftsführer Robin Roth. Neben ihm gehörten Hauptschülerinnen und eine Lehrerin, eine Vertreterin der Verbraucherzentrale NRW, der aej und der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) Duisburg zur Jury

Dienstag, 25. Juni 2013

Durch die Hintertür – das Insektizid Endosulfan kriecht in unsere Nahrung



Das Nervengift, das in vielen Teilen der Welt, einschließlich der EU, verboten ist, gelangt dennoch zu uns – über außereuropäische Zuchtlachse. Diese kommen vorwiegend aus Norwegen und werden zunehmend mit Pflanzenfutter aus Lateinamerika hochgepäppelt, das wiederum Endosulfan enthalten darf. Den Grenzwert für die hochtoxische Substanz hat die EU-Kommission nun um das Zehnfache hochgesetzt, von 0,005 Milligramm pro Kilogramm auf 0,05 Milligramm. Experten warnen vor dem Verzehr von Lachs aus Aquakultur.  

Hochtoxisches Nervengift

Mit Endosulfan ist nicht zu spaßen. Das Insektizid war bereits im Juni 1969 für ein großes Fischsterben im Rhein verantwortlich. Schlagzeilen machte der Giftstoff, der 2011 auf die Liste der „Stockholmer Konvention“ über langlebige organische Schadstoffe aufgenommen wurde, auch in Brasilien, wo Biosoja mit Soja benachbarter Bauern, die Endosulfan verwenden, kontaminiert wurde und so die Existenz der Biobauern aufs Spiel setzte (s. hierzu das Kapitel „Soja“ in „Fair einkaufen-aber wie?“). Wikipedia schreibt: „Endosulfan ist eines der giftigsten Pestizide, die heute noch auf dem Markt sind. Es ist eine östrogen wirkende Verbindung, welche dadurch die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflusst und Entwicklungsstörungen bei Föten von Tieren und Menschen verursachen kann. Ein Krebsrisiko wird diskutiert“.

Risiken verharmlost

Die Lobbyarbeit der norwegischen Aquakulturbranche scheint sich auszuzahlen. Den möglichen Gesundheitsschäden stehen handfeste Wirtschaftsinteressen gegenüber: „Die Grenzwerte für den Gehalt von Endosulfan im Futter für den Lachs sind von großer ökonomischer Bedeutung für die Fischzuchtbranche“, sagt etwa die norwegische Lebensmittelbehörde „Mattilsynet“ in einem Artikel der taz. Sie ist ebenso wenig besorgt wegen des stark angehobenen Endosulfan-Grenzwertes wie die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA oder das norwegische Ernährungsinstitut Nifes. Der gemeinsame Tenor:  Zuchtlachsverzehr im normalen Rahmen trägt nur unbedeutend zur „akzeptablen Tagesdosis“ (ADI) dieses Pestizids bei, laut WHO und FAO 0,006 Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Anders sehen dies Biologen wie Jérôme Ruzzin von der Universität Bergen. Er sagt, dass das Niveau von Umweltgiften im Zuchtlachs im Verhältnis zu anderen Lebensmitteln so hoch sei, dass gehandelt werden müsse. Eine besondere Gefahr sieht er für Schwangere und Kinder.

Ein Eigentor der Zuchtlachs-Branche

Die Verfechter von vegetarischer Fischnahrung argumentieren, dass es nachhaltiger sei,  Zuchtfische mit Pflanzenrohstoffen zu mästen, als das Füttern mit Wildfischen. Diese Praxis dezimiere nämlich die Bestände der Meere, statt für eine Entlastung zu sorgen. Die Aquakultur-Branche benötigt für ein Kilogramm produzierten Lachs ein Vielfaches an Futter. Übersetzt heißt dies: Es ist schlichtweg billiger, mit kontaminierten Pflanzenfutter ernährten Lachs zu produzieren, als mit Wildfisch. Doch weder die eine, noch die andere Methode können als nachhaltig oder biologisch sinnvoll betrachtet werden. Interessant zu wissen ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch die Tatsache, dass der hohe Gehalt der gesunden Omega-3-Fettsäuren – ein gerne angeführtes Argument der norwegischen Aquakulturbranche für den Verzehr von Lachs aus Aquakultur – sinkt, je mehr vegetarisches Futter an die Lachse verfüttert wird. Dieses Eigentor der Branche kommentiert der Osloer Herzforscher Harald Arnesen in der taz mit den Worten: „Der Zuchtlachs enthält nur noch halb so viel dieser Fettsäuren wie vor zehn Jahren und wird „zum schwimmenden Gemüse“. 

Was man tun kann: Definitiv weniger oder gar keinen Zuchtlachs aus Norwegen mehr essen (am Besten auch nicht aus anderen Ländern). Wer nicht ganz auf Lachs verzichten möchte, sollte auf den deutlich teureren Wildlachs zurückgreifen. Empfehlenswert ist das Ausweichen auf Fischsorten, die in ihren Beständen nicht gefährdet sind. Welche dies sind, sagen WWF und GREENPEACE in ihren Fischführern. 

Sonntag, 23. Juni 2013

Kinderarbeit – es gibt noch viel zu tun


Wohl von den meisten unbemerkt, wurde am 12. Juni der Internationale Tag gegen Kinderarbeit begangen. Die Zahlen, veröffentlicht von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), stimmen traurig. Weltweit arbeiten immer noch rund 215 Millionen Kinder, davon mehr als die Hälfte unter ausbeuterischen Verhältnissen. Die ILO vermutet außerdem, dass jährlich 22.000 Kinder bei der Arbeit umkommen oder getötet werden. Wie viele durch die Arbeit krank werden oder sich bei der Arbeit verletzten, darüber gibt es keine Angaben.


Hartes Leben für Kinder als Haushaltshilfe

Von der ILO besonders erwähnt wurden die etwa 10,5 Millionen Kinder, überwiegend Mädchen, die in privaten Haushalten arbeiten müssen. 6,5 Millionen von Ihnen sind zwischen fünf und 14 Jahre alt. Die Aufgaben der Kinder gehen vom Führen des Haushalts über Gartenarbeit bis hin zur Versorgung der Kinder des Arbeitgebers oder von Pflegebedürftigen. Viele werden am Arbeitsplatz physisch, psychisch oder sexuell missbraucht. Durch die Abschottung von der Außenwelt sind die Kinder vollkommen abhängig von ihrem Arbeitgeber. Manche dürfen nur zum Einkaufen das Haus verlassen und arbeiten bis zu 15 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die Löhne sind extrem niedrig, Sozialleistungen unbekannt und Arbeitgeber, die eine Schulbildung ihrer Haushaltshilfe unterstützen, die Ausnahme.  

Armut erzeugt Kinderarbeit

Natürlich liegt die Wurzel des Problems Kinderarbeit tiefer. Eltern verkaufen ihre Kinder nicht aus Spaß an Menschenhändler in der Elfenbeinküste, oder verkrüppeln Sie in Indien absichtlich, um bessere Chancen beim Betteln zu haben. Es ist Armut, die Kinderarbeit hervorbringt und verhindert, dass Kinder in die Schule gehen. Stattdessen müssen sie Pflastersteine in Steinbrüchen klopfen, Spielzeug bauen oder Kleidung nähen. Daher sind neben Konsumenten und Unternehmen auch die Regierungen und Eliten der Länder gefordert, in denen Kinderarbeit vorkommt. Leider sind es oftmals diese privilegierten Schichten, die von Kinderarbeit am Meisten profitieren.

Kinderrechte – Deutschland muss nachbessern

Doch jeder einzelne von uns ist aufgefordert etwas gegen Kinderarbeit zu unternehmen. Denn nach Angaben des katholischen Hilfswerks Misereor ist Kinderarbeit wieder auf dem Vormarsch. Sie sei, so Misereor, beispielsweise bei der Produktion von Orientteppichen in Indien in den 90er Jahren  aufgrund starker internationaler Proteste die Kinderarbeit stark zurückgegangen, nehme nun aber wieder zu. Doch auch in Deutschland ist Verbesserung nötig. Hier gilt zwar die UN-Kinderrechtskonvention seit 1992. Sie ist aber immer noch nicht vollständig umgesetzt. Zudem fehlt die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz.

Initiative ergreifen

Wenn wir Produkte haben möchten, die frei von Kinderarbeit sind, müssen wir uns engagieren. Gerade im Wahljahr 2013 sollten wir die Möglichkeit nutzen, und von den Vertreter unserer Städte im Bundestag mehr Einsatz der Bundesregierung gegen Kinderarbeit zu fordern. Ein wichtiger Hebel ist auch das Vergaberecht, mit dem Kommunen  öffentliche Auftraggeber Unternehmen bevorzugen, die soziale Standards einhalten. Fragen Sie in Ihrer Stadt nach, ob soziale Kriterien im Vergaberecht aufgenommen wurden und verweisen Sie auf die zahlreichen deutschen Städte, die das Vergaberecht schon geändert haben. Denn dort bekommt man bereits faire Kaffee bei Konferenzen, faire Blumen bei Empfängen, faire für Kindergärten oder Pflastersteine und Uniformen ohne Kinderarbeit. Und vergessen Sie nicht mit Freunden, Verwandten und Bekannten über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit weltweit zu sprechen. Denn jeder von uns kann mit dem Kauf fairer Produkte zu bessern Lebensbedingungen in Ländern des Südens beitragen und so helfen, Kinderarbeit zu verringern.

Natursteine ohne Kinderarbeit: www.xertifix.de, www.fairstone.win--win.de

Teppiche ohne Kinderarbeit: www.goodweave.de, www.label-step.org 

Kleidung ohne Kinderarbeit: http://www.weltlaeden.de/ www.fairwear.org/36/brands

Donnerstag, 20. Juni 2013

Nährwertampel – Großbritannien macht es vor

Bitte auch unbedingt diesen Kurzfilm von foodwatch anschauen: 
https://www.foodwatch.org/de/informieren/werbeluegen/e-mail-aktion/

Seit dem 19. Juni 2013 können Konsumenten in Großbritannien mittels der Farben Rot, Gelb und Grün auf einem Blick erkennen, wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Lebensmittel enthält. Möglich macht dies die freiwillige einheitliche Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln - ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit. Mit im Boot sind neben den großen Supermarktketten auch bekannte Hersteller wie PepsiCo UK, Mars UK und Nestlé.  

Was macht Deutschland?

Die gemeinsame Initiative von Regierung, Handel und Herstellern in Großbritannien stellt für Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) einen Durchbruch dar: „Deutschland muss diesem Beispiel folgen“. Der vzbv fordert seit Jahren eine Ampellösung für Deutschland. Doch Handel und Lebensmittelhersteller wehren sich gegen eine einheitliche Kennzeichnung nach Farben auf der Produktvorderseite. Dass der Handel und eine Reihe von Produzenten in Großbritannien nun gemeinsam am Ampelsystem teilnehmen, zeige, dass die Weigerung, in Deutschland eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung einzuführen, nicht länger akzeptabel sei. „Die Unternehmen müssen auch in Deutschland ihre Verantwortung ernst nehmen und eine führende Rolle einnehmen. Die Verbraucher wollen die Ampel“, so Billen.

Ampel verständlicher als bisherige Kennzeichnung


Untersuchungen, wie beispielsweise von der Verbraucherorganisation foodwatch, haben immer wieder gezeigt, dass die Ampelkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen die für Verbraucher am besten verständliche Nährwertkennzeichnung ist. Die von der Industrie bevorzugte und heute üblichere GDA-Kennzeichnung (GDA= Guideline daily amount) gibt lediglich mit Hilfe von Prozentzahlen Auskunft darüber, wie viel des täglichen Richtwerts für Energie, Fett, Zucker und Salz in einer Portion enthalten ist. Verbraucher bewerten sie als weniger gut verständlich. 

Breite Front für die Ampel

Mit ihrer Meinung stehen der vzbv und foodwatch nicht alleine da. Auch Verbraucherzentralen, Elternvertreter, Ärzte und Krankenkassen empfinden die Farbkennzeichnung weniger als Bevormundung, denn als dringend nötige Einkaufshilfe. Bereits 2009 sah Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, in einem Artikel auf Spiegel online eine Mitschuld durch unverständliche Nährwertkennzeichnungen an ernährungsbedingten Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes. 70 Milliarden Euro pro Jahr fallen als Folgekosten ernährungsbedingter Krankheiten an.

Widerstand der Industrie trotz fettleibiger Bevölkerung

Doch die Lebensmittellobby wehrt sich mit Händen und Füßen sowie fadenscheinigen Argumenten gegen die Einführung der Nährwertampel. Angeblich diskriminiere die Ampel bestimmte Lebensmittel, der Handelsverband Deutschland nannte die Ampellösung gar „Gängelung per Farbenspiel“ und unterstellt Verbrauchern, sie würden aufhören Produkte wie Käse und Apfelsaft zu kaufen, nur weil sie einen roten oder gelben Punkt tragen könnten. Auf EU-Ebene wurde die Einführung der Nährwertampel mit Rücksicht auf die Lebensmittelproduzenten 2010 offiziell abgelehnt. Und dies obwohl laut EU-Kommission jeder zweite Europäer übergewichtig oder fettleibig ist. In Deutschland leiden 13,6 Prozent der Erwachsenen an Fettsucht, knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche sind übergewichtig. 

Wie sehen Produkte mit Nährwertampel aus? Hier kann man es sich für ausgewählte Lebensmittel anschauen: http://das-ist-drin.de/glossar/specials/ampel/


Mittwoch, 19. Juni 2013

In eigener Sache - Fotos gelöscht!

Ein falscher Klick hat manchmal große Auswirkungen. Vor allem, wenn man wie die Betreiber dieses Blogs noch nicht verstanden hat, dass nicht nur im realen, sondern auch im virtuellen Leben alles zusammenhängt. So dachten wir uns nichts dabei, scheinbar unbenötigte Fotos in diesem Google-Account zu löschen. Wir ahnten nicht, dass die Fotos dieses Blogs just aus diesen - ganz woanders abgelegten Alben - gespeist wurden. Daher fehlen auf allen älteren Blogs die Fotos, wofür wir uns entschuldigen möchten. Learning by doing geht halt manchmal auch so richtig schief. Da es scheinbar nicht genügt, die Fotos wieder in die Alben zu laden, muss jeder Blogbeitrag  wieder einzeln bebildert werden, eine äußerst mühselige und zeitaufwendige Angelegenheit. Wir hoffen den Schaden jedenfalls nach und nach beheben zu können und hoffen ebenso, dass Ihr uns trotz dieses Fauxpas weiterhin die Treue haltet.

Dienstag, 18. Juni 2013

Kampagne „Make Chocolate Fair!“ gestartet



Damit wir Schokolade in allen Varianten genießen können, müssen Menschen in anderen Ländern leiden. Oftmals sind es Kinder, die von gefährlicher Arbeit ohne Gesundheitsschutz, exzessiven Überstunden sowie mangelhafter Ernährung betroffen sind. Die Arbeitsbedingungen auf den Kakaoplantagen sind nach wie vor menschenverachtend und ausbeuterisch. Gleichzeitig erwirtschaften die Schokoladenhersteller hohe Gewinne. 

Kinderarbeit in Westafrika weit verbreitet

Um auf die Situation bei der Kakaoproduktion und die Verantwortung der großen Schokoladenfabrikanten aufmerksam zu machen, hat am 12. Juni 2013, dem Internationalen Tag gegen Kinderarbeit, die europaweite Kampagne „Make Chocolate Fair!“ begonnen, eine internationale Initiative, die sich aus mehreren Organisationen in 16 europäischen Ländern zusammensetzt. „Kinderarbeit ist in der Kakaobranche nach wie vor ein massives Problem”, sagt Viola Dannenmaier, INKOTA-Koordinatorin der Kampagne. In Westafrika, der Hauptanbauregion für Kakao, arbeiten noch immer etwa zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. Mehr als 500.000 von ihnen unter Bedingungen, die nach den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als ausbeuterisch eingestuft und damit verboten sind. „Das Problem der Kinderarbeit ist seit Jahren bekannt. Doch sowohl die Schokoladenindustrie, als auch die Politik haben es bisher versäumt, entschlossen dagegen vorzugehen”, so Dannenmaier weiter. 

Klare Forderungen an die Schokoladenindustrie

Die Kampagne „Make Chocolate Fair!” ist angetreten, dieser Ungerechtigkeit etwas entgegenzusetzen. Gefordert wird von den Schokolade herstellenden Unternehmen verantwortliche Schritte zur Verbesserung der Situation der Kakaobauern zu unternehmen, darunter eine faire Bezahlung der Kakaobauern und ihren Arbeitern, die Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte entlang der gesamten Kakao-Wertschöpfungskette und die Ablehnung ausbeuterischer Kinderarbeit, die Unterstützung von Kakaobauern und -bäuerinnen bei der Umsetzung einer nachhaltigen und diversifizierten Landwirtschaft und die Anwendung eines unabhängigen Zertifizierungs- und Kontrollsystems.

Unterschriftenaktion

Zu diesem Zweck hat die Kampagne eine Petition an die Schokoladenhersteller in Europa gestartet. Über zwei Jahre werden Unterschriften in ganz Europa gesammelt, auf Papier und auf unserer Webseite. Das Ziel: 100.000 Unterschriften! Diese werden Mitte 2015 den Schokoladenunternehmen im Rahmen einer öffentlichen Aktion bei ihrer Hauptversammlung überreicht.

Factsheet - Die bittere Wahrheit über Schokolade: