Sonntag, 21. August 2016

Mode: Wer verdient was an einem T-Shirt?




Die Preiskalkulation eines T-Shirts ist sehr individuell und abhängig von vielen Faktoren, wie Produktionsmenge, Qualität des Wareneinsatzes, Produktionsland und vielem mehr. Die Grafik zeigt beispielhaft die Kosten eines T-Shirts mit einem Verbraucherpreis von 29 Euro. Klar zu erkennen ist dass der Lohnanteil - hier für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Konfektionierung aufgezeigt – einen geringen Anteil im Gesamtkostenblock darstellt.  Weitere Lohnanteile der Vorstufen der Produktion (Entkörnung, Spinnerei, Weberei, Veredelung etc.) sind im Posten „Materialkosten“ enthalten. In der Legende unterhalb der Grafik werden alle anderen Positionen ausführlicher beschrieben.
Quelle: Fairtrade Deutschland

Montag, 15. August 2016

Ressourcen aufgebraucht: Earth Overshoot Day




Es braucht stets nur ein paar Zahlen, um zu verdeutlichen, wie die Bewohner der westlichen Industriestaaten den ökologischen Kollaps wesentlich mitverantworten:  Durchschnittlich alle 5,3 Tage kaufen wir uns ein neues Kleidungsstück. 2000 Liter Wasser schluckt die Herstellung eines T-Shirts, 8000 Liter braucht es für ein paar Lederschuhe. Schätzungsweise rund eine Milliarde unbenutzte, aber funktionsfähige Computer, Fernseher oder Handys stapeln sich in unseren Haushalten. Unsere Kühlschränke mögen zwar energieeffizienter werden, dafür haben zumindest immer mehr US-amerikanische Haushalte zwei davon in ihrer Küche stehen. Kurzum: Wir stoßen mehr CO2 in die Atmosphäre als Ozeane und Wälder absorbieren, wir fischen schneller, als sich die Fischbestände erholen und wir fällen Bäume schneller, als sie nachwachsen.
 
Die Erde ist erschöpft

An welchem Tag genau die Menschheit alle Ressourcen aufgebraucht hat, die der Planet innerhalb eines Jahres regenerieren kann, errechnet alljährlich die Nichtregierungsorganisation "Global Footprint Network" (GFN) . In diesem Jahr fällt der sogenannte "World Overshoot Day" auf den 8. August. Anfang des Jahrtausends war es noch der 1. Oktober, 2014 schon der 13. August. Somit brauchen wir das Budget der Erde jedes Jahr ein bisschen früher aus. Für die Berechnungen zieht die Organisation den "Ökologischen Fußabdruck" heran, eine Art Buchhaltungsmethode zur Messung unserer Ressourcenabhängigkeit. Entwickelt wurde das Konzept 1994 von dem Ingenieur und Nachhaltigkeitsexperten Matthis Wackernagel zusammen mit seinem US-amerikanischen Kollegen William Rees. Wackernagel ist auch Gründer des GFN.

Ressourcennachfrage größer als das Angebot

Auf der Angebotsseite wird gemessen, welche Flächen der Planet hat, sprich Wälder, Felder, Seen, Meere, Wüsten, Weiden, Steppen, Straßen und Städte. Dabei wird auch die unterschiedliche "biologische Produktivität" der Erdoberfläche berücksichtigt. Das Ergebnis entspricht der Biokapazität der Erde. Auf der Nachfrageseite wird berechnet, wie viel Biokapazität die Menschen nutzen. Ob nun Energiegewinnung, Bauland, Viehzucht, jedes Wirtschaften beansprucht Fläche. Abfälle und Abgase muss die Umwelt ebenfalls verarbeiten. Auch der CO2-Fußabdruck fließt in die Bewertung mit ein – er ist inzwischen der größte Faktor im gesamten ökologischen Fußabdruck. Die Einheit in diesem Buchhaltungssystem ist die biologisch produktive Fläche – dargestellt in der Maßeinheit "globale Hektar" (gha). Für einen Großteil der Länder und Regionen kann ein ökologischer Fußabdruck von 1961 bis heute nachgezeichnet werden.

Würden alle leben wie in Deutschland, bräuchte es drei Erden

Heruntergebrochen auf Länder zeigt sich, dass wohlhabende Länder und eng besiedelte Industrienationen wie die USA oder Deutschland ihr ökologisches Budget viel früher aufbrauchen als die meisten Entwicklungsländer oder auch die Staaten mit niedriger Bevölkerungsdichte wie Kanada.  1,6 Erden bräuchte die Weltbevölkerung derzeit, um den weltweiten Bedarf an Rohstoffen, Ackerland, Wasser und Wäldern nachhaltig zu decken. "Würden alle Länder weltweit so wirtschaften wie Deutschland, wären sogar 3,1 Erden notwendig", bewertet Julia Otten von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die Berechnungen des GFN.

Kritische Grenze in den 70er Jahre überschritten

In Deutschland wird die Erde vor allem durch die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Energie, Verkehr und industrielle Landwirtschaft sowie durch den sehr hohen Flächenanspruch – insbesondere für die Fleischproduktion – überlastet. Schon immer haben die Menschen natürliche Ressourcen verbraucht, um Städte und Straßen zu bauen, um Nahrungsmittel zu gewinnen oder andere Produkte herzustellen. Mitte der 1970er Jahre hat nach Darstellung des GFN die Menschheit eine kritische Grenze überschritten: Die Nachfrage an natürlichen Ressourcen habe die globale Kapazität zur Reproduktion und zum Angebot neuer Ressourcen überstiegen.

Lösungen durch grüne Technologien?

Global Footprint Network-Gründer Mathis Wackernagel möchte nicht Verzicht predigen. Aus seiner Sicht gehe es darum, eine Wirtschaft zu bauen, die ökologisch funktioniert. Das brauche unter anderem erneuerbare Energie und intelligente Stromnetze: "Grüne Technologien erleichtern eine nachhaltige Lebensweise. Zudem bringen sie unserer Wirtschaft Vorteile, wie neue Arbeitsplätze, und mehr Lebensqualität in den Städten. Das einzige, von dem es noch mehr braucht, ist politischer Wille", so Wackernagel. Das GFN verweist beispielsweise auf Costa Rica. Das südamerikanische Land konnte in den ersten drei Monaten dieses Jahres knapp 100 Prozent seines Elektrizitätsverbrauchs aus erneuerbaren Quellen decken. Letztendlich weiß man aber auch beim GFN, dass jeder einzelne mithelfen muss, Ressourcen zu schonen. Unter dem Hashtag #pledgefortheplanet lädt das Netzwerk deshalb Menschen weltweit in den sozialen Medien dazu ein, ihre Ideen mitzuteilen, wie es sich auch innerhalb der Grenzen unseren Planeten gut leben lässt.
Quelle: Wiwo

 

Sonntag, 7. August 2016

Weniger Fleischkonsum – das wären die Folgen!



Obwohl die Zahl an Vegetariern und Veganern zunimmt, essen immer noch viele Menschen gern und oft Fleisch. Was würde eigentlich geschehen, wenn wir unseren Fleischkonsum um 80 Prozent reduzieren würden? 3sat hat nachgerechnet.
 


1. Weniger Fleisch: Fast 900 Millionen Tiere würden leben
Am Ende unseres Lebens haben wir im Schnitt 1.094 Tiere gegessen. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren verspeisen wir damit jährlich etwa ein Rind, drei Schweine und zehn Hühner. Würden wir 80 Prozent weniger Fleisch essen, müssten pro Jahr 896 Millionen Tiere weniger getötet werden, rechnet 3sat im Video (siehe unten) vor.
2. Zurückgewinnung von Agrarflächen
Fast die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Würden wir kein Tierfutter importieren, bräuchten wir für den Anbau von Futtermitteln nochmal die Hälfte dieser Fläche – so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. So aber führen wir 4,6 Millionen Tonnen Sojamehl pro Jahr aus Südamerika ein. Würden wir 80 Prozent weniger Fleisch essen, könnte die dafür verwendete Fläche (allein in Brasilien 1,3 Millionen Hektar) anderweitig genutzt werden: zur Aufforstung des Regenwalds und zum Schutz der Artenvielfalt.
3. Einsparung von 18 Millionen Tonnen Treibhausgasen
Du hast ein schlechtes Gewissen, weil du Auto fährst? Tatsächlich produzieren Tierställe mehr CO2 als alle Auspuffrohre zusammen. Fast 70 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen stammen aus der Tierzucht. 80 Prozent weniger Fleischkonsum in Deutschland entspräche 18 Millionen Tonnen eingesparter Klimagase – und das wiederum entspricht 150 Milliarden Kilometer mit dem Auto.
4. Weniger Fleisch, weniger Arbeitsplätze
Bundesweit arbeiten 28.000 Menschen in der Fleischindustrie (Stand 2014). Hinzu kommen noch zahlreiche Leiharbeiter aus den EU-Ländern – die genaue Zahl ist daher unbekannt. Wenn wir 80 Prozent weniger Fleisch äßen, würden rein rechnerisch 20.000 Menschen ihren Job verlieren.
5. Weniger Antibiotika im Körper
Jährlich landen 43.000 Tonnen Pestizide auf unseren Feldern, ungefähr die Hälfte davon versprühen Landwirte im Futtermittelanbau. Schweine bekommen zusätzlich Sexualhormone gespritzt. Außerdem werden 1.600 Tonnen Antibiotika ins Tierfutter gemischt, wodurch sich immer mehr resistente Bakterien bilden und Antibiotikarückstände im Fleisch verbleiben. Wenn wir also 80 Prozent weniger Fleisch äßen, würden auch wir Menschen weniger unnötige, teils schädliche Antibiotika aufnehmen.
Quelle: Utopia, Abb.: 3sat
Hier geht’s zum Video in der 3sat-Mediathek

Freitag, 29. Juli 2016

Buchneuerscheinung: »FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen«



Das neue Buch von „Fair einkaufen-aber wie?“-Autor Frank Herrmann warnt vor den verheerenden Folgen des Massentourismus und zeigt, wie »anders reisen« funktioniert. Der Tourismus boomt. Ungeachtet von Krieg, Terror und Flüchtlingskrisen reisen jährlich rund 1,2 Milliarden Menschen rund um den Globus – das sind achtmal mehr als noch im Jahr 1970. Doch wie viel Tourismus verträgt unsere Erde? Fest steht, dass die Grenzen der Belastbarkeit vielerorts erreicht, wenn nicht bereits überschritten sind. Welche Probleme der immer weiter wachsende Massentourismus für Mensch, Umwelt und Klima mit sich bringt und wie wir einen umweltverträglicheren Tourismus leben können, zeigt Frank Herrmann in seinem neuen Buch.

Die Schattenseiten des Tourismus beleuchten

Als eine der wichtigsten Industrien der Welt setzt die Tourismusbranche nach Angaben des World Travel und Tourism Councils (WTTC) jährlich weltweit rund zwei Billionen Euro um und erwirtschaftet 9,8 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Damit leistet sie in vielen Ländern einen bedeutenden Wirtschaftsbeitrag und schafft rund 284 Millionen Arbeitsplätze – wenngleich überwiegend im Niedriglohnsektor. Doch mit dem wirtschaftlichen Erfolg wird auch die Kehrseite der wachsenden Touristenströme immer deutlicher sichtbar. »Während der Tourismus Jobs und Einkommen schafft, werden die Rechte der Angestellten und Arbeiter in den Urlaubsregionen oftmals mit Füßen getreten«, kritisiert der Autor in seinem Handbuch »FAIRreisen«. Unsere zunehmende Reiselust geht einher mit einem Mehr an Abfällen, Treibhausgasen und Ressourcenverbrauch – und nicht selten auch mies bezahlten Jobs, Kinderarbeit und Sextourismus.

Fair reisen – wie geht das?

Doch wie sieht der verantwortungsbewusste Tourismus der Zukunft aus? »Ökologisch,sozial verträglich, klimafreundlich und politisch korrekt«, so Frank Herrmann, und er liefert in seinem Buch zahlreiche Tipps, Ideen und Adressen zu dessen Realisierung: Wie finde ich umweltfreundliche Hotels, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffe? Wie kompensiere ich die Klimagase, die meine Reise verursacht? Welche Tourismussiegel sind seriös, welche nur Augenwischerei? Wie kann ich klimafreundlicher Skifahren? Wie gestalte ich meine Geschäftsreisen nachhaltig? Werden auf meiner Urlaubsreise Menschenrechte verletzt? Wie vermeide ich Müll im Urlaubsland? Wo bekomme ich ökologisch und fair produzierte Trekkingklamotten? Wer Antworten auf diese und viele weitere Fragen sucht, wird bei Frank Herrmann garantiert fündig. Zusätzlich stellt der Autor den Leserinnen und Lesern 500 faire und grüne Länderreisetipps exklusiv und kostenlos im Internet zur Verfügung.
Bildquelle: Frank Herrmann

Der Autor geht auf Fahrradvortragstour! Mehr zur „Fairen Biketour“ hier

Tipp: Das Buch im Buchladen vor Ort oder direkt beim Verlag kaufen

Freitag, 22. Juli 2016

Fair Transport: Freiwillige bauen Segel-Transportschiff für Öko-Waren



T-Shirts "made in Bangladesh" in den Kleiderschränken, iPhones in den Hosentaschen, das entgrätete Lachsfilet zum Abendessen - etwa 90 Prozent von dem, was wir konsumieren, kommt per Schiff zu uns. Die Frachter der Reederei-Giganten Mærsk oder MSC etwa sind mehr als vier Fußballfelder lang und können bis zu 19.000 Container fassen. Es ist diesesContainerprinzip, das die Schifffahrt zur Schlagader des globalen Handels macht: An Deck lassen sich die Container praktisch stapeln und kein Platz wird verschwendet. Bei Ankunft verladen Riesenkränen die Container gleich auf LKW. Die Motoren der Riesenschiffe geben sich außerdem mit billigstem und deshalb dreckigstem Schweröl zufrieden. Auch das garantiert einen günstigen Transport - in Zeiten des niedrigen Ölpreises umso mehr. Für die Umwelt ist das weniger erfreulich: Die größten 20 Frachter emittieren so viel Schadstoffe wie die insgesamt eine Milliarde Autos, die es auf der Welt gibt. Nicht genug: Die Schifffahrt stößt doppelt so viel klimaschädliches CO2 aus wie der gesamt globale Luftverkehr.

Warentransport auf hoher See – es geht auch anders

Ort Elsfleth bei Bremen: Die "Avontuur" soll Waren vollkommen emissionsfrei verschiffen - unter Segeln. Hinter dem Projekt steht Cornelius Bockermann, der zuvor viele Jahre als Kapitän über die Weltmeere fuhr. Aus dieser Zeit weiß er um die Umweltkatastrophe Riesenschifffahrt. Doch irgendwann wollte Bockermann nicht mehr mitmachen. Nach einer Auszeit gründete er die Firma "Timbercoast", mit der er seine Idee einer nachhaltigen Schifffahrt nun verwirklichen möchte. Den Startschuss gab der Kauf der Avontuur (Abenteuer auf Niederländisch), einem etwa 100-jährigen Segelschiff. Bockermann fand sie, nach langer Suche, im holländischen Groningen und kaufte sie für knapp 200.000 Euro. In der Werft von Elsfleth bei Bremen wird sie von Bockermanns Team schon seit einem Jahr auf Vordermann gebracht. Bockermanns Team, das sind freiwillige Helfer aus der ganzen Welt – aus Deutschland, Kolumbien, Hongkong und 23 weiteren Ländern. Mehr als 150 Volontäre haben schon mitgemacht. Ihre Devise ist, möglichst viele Sachen selbst zu machen: Sie haben den Rumpf erneuert, den Schiffsbauch renoviert und die Masten aufgestellt. Bockermann stellt seinen Helfern Kost und Logis. Außerdem gibt es für jeden Tag, den jemand an Land mitgeholfen hat, einen Tag Segelschule an Bord der Avontuur.

Nur ökologische Waren an Bord

Bald schon soll es losgehen. Da Bockermann sich langfristig in Australien niederlassen möchte, wird die Avontuur später im Pazifik fahren. Die Testfahrt jedoch führt sie nun von Elsfleth aus nach Brest, Bordeaux und Porto. In Brest kommt nachhaltiger Wein an Bord. In Porto warten Bio-Öl und Portwein. Die Crew der Avontuur will nur ökologisch erzeugte Produkte befördern. 70 Tonnen Ladung fasst die Avontuur - sehr wenig also im Vergleich zu den riesigen Container-Schiffen. Glaubt Kapitän Bockermann wirklich, Reederei- Giganten wie dem Mærsk-Konzern das Wasser abgraben zu können? "All unsere Waren fahren zu Billigstpreisen über die Meere, und alle wollen immer noch mehr Waren haben. Das ökologische Desaster dahinter ignorieren wir einfach", kritisiert er. Cornelius Bockermann will auf seinem Segler Waren ohne schlechtes Gewissen transportieren.
Quelle: Wiwo Green, Bild unten: Fair Transport