Donnerstag, 19. Januar 2017

Nachhaltiger Tourismus: FAIRreisen gewinnt Preis

Das vor wenigen Monaten im oekom Verlag veröffentlichte Handbuch »FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen«, wurde mit dem ITB-BuchAward 2017 für das beste touristische Fachbuch ausgezeichnet. Der Autor Frank Herrmann ist Ko-Autor des Ratgebers "Fair einkaufen - aber wie"?.




Donnerstag, 12. Januar 2017

Gebrauchte Handys sammeln und Gutes tun



Eine Initiative von Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und Engagierten aus der Eine-Welt-Arbeit ruft in der Handy-Aktion NRW zum Sammeln alter Handys für ein fachgerechtes Recycling auf. In diesem Zusammenhang informieren neue Südwind-Fact-Sheets über die problematischen Seiten des Handy-Konsums und insbesondere über die Folgen des Rohstoffabbaus. Mobiltelefone enthalten wertvolle Rohstoffe, deren Gewinnung häufig mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung verbunden ist. Der Zinnabbau auf den indonesischen Inseln Bangka und Belitung etwa zerstört wertvolle Korallenriffe und gefährdet so die Existenz zahlreicher Fischer. Beim Lithiumabbau in Argentinien werden die Rechte indigener Gemeinschaften gefährdet und in Sambias Kupfergürtel erkranken und sterben Menschen durch die Abgase der Kupferverhüttung.

Alte Handys  finanzieren neue Hilfsprojekte

Umso wichtiger ist es, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen und ausgediente Handys fachgerecht zu recyceln. Mit dem Recycling werden Rohstoffe zurückgewonnen und der illegale Export von Elektroschrott, z.B. nach Ghana, einem Partnerland Nordrhein-Westfalens, wird vermieden. Interessierte Gruppen können unkompliziert eine eigene Sammelaktion für ausgediente Handys durchführen, beispielsweise in der Kirchengemeinde, der Jugendarbeit, Schule oder Arbeitsstelle. Kostenfreie Sammelboxen, Plakate, Flyer und andere Materialien können bestellt werden. Die Erlöse der Sammelaktion kommen Menschenrechtsprojekten in Südafrika, der DR Kongo und den Philippinen zugute. Anregungen für Aktivitäten, Materialien für die Bildungsarbeit sowie Informationen rund um den Rohstoffabbau, die Produktion und Entsorgung von Mobiltelefonen sind auf der Website der Aktion zu finden. Die drei Fact-Sheets können bei Südwind e.V. heruntergeladen oder in gedruckter Form bestellt werden. Die Handy-Aktion NRW ist ein Projekt des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung und Amtes für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen in Kooperation mit Südwind e.V., Open Globe – Eine Welt Netz NRW, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, Vereinte Evangelische Mission und der „Handy-Aktion“ in Baden-Württemberg.
Quelle: UD/pm

Donnerstag, 5. Januar 2017

Nachhaltige Snowboard- und Skibekleidung – diese Hersteller versuchen es!



Wer im Winter gerne Zeit in der Natur verbringt, um Ski oder Snowboard zu fahren, sollte bei seiner Outdoor-Bekleidung darauf achten, dass sie die Natur möglichst wenig belastet. Das größte Problem an Outdoor-Kleidung ist, dass in den meisten Materialien Gifte enthalten sind. Oft sind vor allem in der Ausrüstung, welche die Jacken und Hosen wasser-, öl- und schmutzabweisend macht, Schadstoffe wie zum Beispiel PFC enthalten. Diese Chemikalien reichern sich überall in der Umwelt an und sind potenziell gesundheitsschädlich. Greenpeace testet regelmäßig Outdoor-Jacken und -Hosen, zuletzt im Januar 2016. Das Ergebnis: In fast allen untersuchten Markenprodukten wurden PFC in Beschichtungen und/oder Membranen (wie zum Beispiel Gore-Tex) gefunden. Greenpeace-Studien zeigen zudem: Diese Chemikalien belasten die Umwelt massiv – und sie sind inzwischen sogar in in den abgelegensten Regionen der Erde zu finden. Ganz ohne Kunstfasern kommt man bei Skibekleidung leider nicht aus, es gibt allerdings Hersteller, die sich Mühe geben, ihre Materialien sauberer zu produzieren oder zu recyceln.

Bessere Klassiker: Patagonia, Vaude, Jack Wolfskin

Patagonia gehört zu den Pionieren der nachhaltigen Outdoor-Mode: Seit den 70er Jahren setzt sich das Unternehmen für Umweltschutz ein. Produziert wird aus Materialien wie Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen und Bio-Baumwolle. Patagonia macht seine Lieferkette fair und transparent und ist Mitglied in verschiedenen kritischen Multistakeholder-Initiativen (z.B. Fair Labor Association), die sich für gerechte Arbeitsbedingungen einsetzen. 1 Prozent des Umsatzes werden an Umweltorganisationen gespendet – ganz unabhängig davon, ob Gewinn gemacht wird oder nicht („1% for the planet„). Und: Patagonia-Kleidung kann, wenn sie nicht mehr gebraucht wird, zurückgegeben werden, damit daraus neue Jacken und Hosen entstehen. Übrigens: Patagonia hat den bisher strengsten Standard für nachhaltige Daunen entwickelt („Traceable Down Standard“).
Bei Vaude wird seit über zehn Jahren ein wachsender Anteil der Produkte nach dem strengen Umweltstandard bluesign produziert. Das Unternehmen hat auch einen eigenen Umweltstandard entworfen: „Green Shape“ steht für ressourcenschonende und umweltfreundliche Herstellung. Von den Erlösen dieser Produktlinie wird 1 Prozent an den Naturschutzverband WWF Deutschland gespendet. Produziert wird fair und sozial in China, Vietnam und Deutschland. Die Einhaltung gerechter Arbeitsbedingungen und Transparenz in der Produktion kontrolliert die internationale Fair Wear Foundation, in der Vaude Mitglied ist. Bei Rank a Brand ist Vaude unter den Outdoor-Marken die in puncto Nachhaltigkeit am besten bewertete Marke.
Auch die Kleidung von Jack Wolfskin wird zumindest in Teilen aus umweltfreundlichen und bluesign-zertifizierten Materialien hergestellt. Zudem werden umfassende Maßnahmen zur Entfernung riskanter Chemikalien umgesetzt. Das Label ist ebenfalls Mitglied der Fair Wear Foundation und engagiert sich aktiv für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben.

Bessere Newcomer: Pyua und Picture

Das junge Kieler Label Pyua verwendet GOTS-zertifizierte Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung; Baumwolle und Polyester sind gänzlich oder zumindest anteilig recycelt. Das Unternehmen legt Wert auf faire und soziale Arbeitsbedingungen, ist ebenfalls Mitglied der Fair Wear Foundation. Gutes Extra: Die Jacken, Hosen & Co. können zurückgegeben und vollständig wiederverwertet werden. Das heißt, aus einer alten Jacke von Pyua kann in der nächsten Kollektion eine neue Ski-Hose entstehen. 2008 von drei jungen Franzosen gegründet, ist das Ski- und Snowboardlabel Picture immer bekannter geworden. Die Kleidung ist aus GOTS-zertifizierter, ökologischer Baumwolle oder recyceltem Polyester – zu mindestens 50 %. Das Besondere bei Picture: Die Winterkleidung ist bunt, jung und erschwinglich.

Bessere Materialien: Recycling-Fleece und Merinowolle

Auch bei den Materialien lohnt sich ein genauerer Blick. Recycling-Fleece ist seit Jahren ein wachsender Trend – nicht nur bei Skibekleidung. Schon 1993 setzte Patagonia als eines der ersten Outdoor-Unternehmen Fleecestoff aus wiederverwerteten Plastikflaschen ein. Das Material wird bis zu 100 Prozent aus alten PET-Flaschen gefertigt.Natürlich wäre es noch viel besser, gar kein Plastik zu verwenden – denn durch das Waschen belasten die Fasern das Wasser. Wenn es aber Kunstfasern sein „müssen“, lässt sich durch die Wiederverwertung die Menge an Müll und CO2 enorm reduzieren – und es wird weniger Erdöl für die Plastikherstellung verbraucht. Patagonia konnte nach eigenen Angaben schon mehr als 92 Millionen PET-Flaschen wiederverwerten und somit vor der Müllhalde bewahren. Deutlich umweltfreundlicher als Fleece und dabei genauso wärmend ist Merinowolle: Sie ist besonders dünn, weich, atmungsaktiv, geruchsabweisend – und frei von Kunststoff. Wer Ski-Oberteile, Funktionsunterwäsche oder Jacken aus Merinowolle kauft, sollte sich aber unbedingt vergewissern, dass der Hersteller seine Wolle von nachhaltigen Schafsfarmen bezieht. Hier werden die Tiere artgerecht gehalten, es gibt kein so genanntes „Mulesing“, zudem wird das Land, auf dem die Tiere leben, nachhaltig genutzt. Ein kleiner Geheimtipp in Sachen Outdoor-Kleidung aus Merinowolle ist das Label Kaipara. Die Produktion der Wolle entspricht den höchsten Standards hinsichtlich Tierschutz, Umweltschutz, sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit und hat die strengsten Zertifikate, die es in Neuseeland gibt. Zur Weiterverarbeitung kommt die neuseeländische Wolle in eine kleine Schneiderei ins Allgäu. Engel Sports kombiniert für seine hochwertige Funktionsunterwäsche und Sportkleidung hochwertige Bio-Merinowolle mit Seide; produziert wird in Deutschland.
Quelle: utopia.de

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Wenn der Bauer selbst siegelt




UNGLEICHGEWICHT:  Heute mischen im Fairen Handel auch große Handelsunternehmen, Börsenmakler und Großplantagen mit. Diese Kräfteverschiebung empfinden viele Kleinbauern als ungerecht. Das neue Produktlabel SPP soll ihnen zu mehr Stärke verhelfen

Faire Verbraucher mögen eine heile Welt: Sie wünschen sich Bananen von zufriedenen Pflückern, T-Shirts von Näherinnen, die unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten und Kleinbauern, die strahlen, weil auf ihrem Päckchen Kaffee ein bunter Aufkleber prangt, der ihnen faire Preise garantiert.  Die Realität sieht anders aus: Erntehelfer sind auf Plantagen oftmals giftigen Chemikalien schutzlos ausgesetzt, Näherinnen in Asien und anderswo werden weiter schamlos ausgebeutet und den Kaffeebauern in Lateinamerika ist das Lachen vergangen. Schuld daran sind nicht nur der Klimawandel und Pilzbefall, sondern auch die veränderten Strukturen im Fairen Handel.  Ging es einst darum, Kleinbauern gerechtere Preise zu zahlen, Zwischenhändler auszuschalten und Zugang zu den Weltmärkten zu ermöglichen, mischen heute im Fairen Handel auch große Handelsunternehmen, Börsenmakler und Großplantagen mit. Also genau die Vertreter ungerechter Anbau- und Handelspraktiken, gegen die der Faire Handel einst angetreten war.  Diese Kräfteverschiebung empfinden viele Fairtrade-Kleinbauern als ungerecht. „Partnerschaft auf Augenhöhe“, ein Leitspruch von Fairtrade, sieht für Sie anders aus. Die Kleinproduzenten sehen sich durch zertifizierte Plantagen ebenso benachteiligt wie durch ungerechte Handelsstrukturen oder die Verwässerung von Fairtrade-Standards zugunster großer Handelsketten. Der Unmut der Kleinbauern fand eine Stimme im lateinamerikanischen Produzentennetzwerk CLAC, stimmberechtigtes Mitglied bei Fairtrade International. 2006 schuf entstand bei der CLAC mit dem SPP-Siegel ein eigenes Gütezeichen, mit dem seit 2011 Produkte aus kleinbäuerlicher Produktion gekennzeichnet werden. Ungewöhnlich. Denn in der Regel stammen die Besitzer von Sozial- und Nachhaltigkeitssiegeln aus dem reichen Teil der Welt. So haben etwa Fairtrade und Naturland Fair ihren Sitz in Deutschland, Ecocert in Frankreich, UTZ Certified und die World Fair Trade Organization in den Niederlanden und die Rainforest Alliance in den USA.

Bislang wenig beachtet

Doch brauchen wir bei der verwirrenden Siegelvielfalt überhaupt ein weiteres Gütezeichen? Dieses schon, denn es gehört den Kleinbauern. Das Siegel gebe ihnen die Möglichkeit selbstbestimmt zu entscheiden, von welchen Fair- Trade-Regeln sie am meisten profitieren, heißt es bei SPP. Konkret bedeutet dies beispielsweise für Kaffee höhere Mindestpreise und eine höhere Bioprämie bei gleichzeitig niedrigeren Zertifizierungskosten als bei Fairtrade. Zertifiziert werden können auch einzelne Kleinbauern im Gegensatz zu Fairtrade, „wo als Voraussetzung immer demokratische Organisationen notwendig sind“, so Claudia Brück von TransFair, dem deutschen Ableger von Fairtrade International. Auch für die Lizenznehmer, also die Unternehmen, die das Logo bei uns auf ihren Verpackungen abdrucken, wird es spürbar billiger. Fallen bei Fairtrade 0,22 Euro pro Kilo an, sind es bei SPP nur rund 7 Cent. Hört sich alles gut an, wäre da nicht der niedrige Bekanntheitsgrad von SPP. Er tendiert hierzulande gegen Null. Das liegt auch an der mangelnden Berichterstattung. Weder auf der Webseite des Forums Fairer Handel (FFH), der nach eigenen Angaben „Stimme des Fairen Handels“, noch auf den Seiten von TransFair oder der GEPA, Deutschlands größter Fairhandelsorganisation, findet sich etwa zu SPP.  Zumindest bei der GEPA hält man ein Siegel von Kleinbauern für Kleinbauern für sinnvoll und unterstützenswert. „Wir möchten Mitglied bei SPP werden und befinden uns gerade im Aufnahmeprozess“, sagt Andrea Fütterer, Leiterin der Abteilung Grundsatz. „Denn nur als Mitglied können wir sinnvoll an der Verbesserung des Systems mitarbeiten“. Noch gäbe es einige Schwächen bei SPP bezüglich des Standards und des Ablaufs der Zertifizierungen, so Fütterer. Dennoch plane man einige Kaffees nach SPP-Kriterien einzukaufen, allerdings ohne das Produktsiegel zu verwenden – seit einigen Jahren gängige Praxis bei der GEPA. Bei TransFair gibt man sich gelassen. SPP sei keine Konkurrenz zum Fairtrade-Siegel, „Die Kriterienentwicklung und das -Management sind nicht transparent nachvollziehbar und unterliegen auch nicht den ISEAL-Richtlinien, sagt Claudia Brück. Auch beim FFH sieht man SPP noch nicht auf einer Stufe mit den anerkannten Monitoring- und Zertifizierungssystemen des Fairen Handels wie etwa WFTO, Fairtrade oder Naturland Fair.

Erste Unternehmen setzen auf SPP

Daher fand das Kleinbauernsiegel auch in der aktuellen Imagebroschüre des FFH „100% Fair – Der Faire Handel in Deutschland“ keine Berücksichtigung. Ebenso wenig wie die Genossenschaft Ethiquable Deutschland, Tochter der gleichnamigen französischen Fairhandels-Importorganisation, die immerhin seit 2009 auf dem deutschen Markt aktiv ist.  Bei Ethiquable setzt man immer öfter auf das SPP-Siegel, das inzwischen auf dem Länderkaffee Ecuador, der Nuss-Nougat-Creme, Kochbananenchips oder auf Kräutertees zu finden ist. Vor allem viele im Ursprungsland weiterverarbeitete Produkte tragen das Kleinproduzenten-Symbol. „Die höhere Wertschöpfung vor Ort ist für SPP ein wichtiges Anliegen – und da treten sie bei uns offene Türen ein“, sagt Klaus Kruse, Vorstand bei Ethiquable Deutschland. „Hoffentlich erkennen auch andere Unternehmen die Bedeutung dieses Siegels und helfen dabei, dessen Bekanntheit zu erhöhen“. Der Weg dorthin ist lang ud steinig. Denn bislang bieten in Deutschland nur Ethiquable, der Düsseldorfer Verein ProGua (nur Kaffee) und demnächst die GEPA (ebenfalls vorerst nur Kaffee) Produkte mit SPP-Siegel an. Weltweit gibt es gerade einmal 15 registrierte Käufer SPP-zertifizierter Produkte in acht Ländern. Zu wenig auf Dauer, um den Durchbruch zu schaffen. Dafür braucht es teure Werbung und viel Verbraucherkommunikation. So etwas wie die 2003 von der Bundesregierung finanzierte, groß angelegte Kampagne „fair feels good“. Sie verhalf damals dem Fairtrade-Siegel in Deutschland zum Durchbruch.
Quelle: taz/Frank Herrmann