Donnerstag, 23. Februar 2017

Auch Bio mit guten Wachstumszahlen




Der Biomarkt in Europa wächst weiter; er legte 2015 um 13 % auf knapp 30 Milliarden Euro zu. In der Europäischen Union wurden Biolebensmittel im Wert von 27,1 Milliarden Euro umgesetzt. Fast alle großen Märkte verzeichneten zweistellige Wachstumsraten. Anlässlich der BIOFACH in Nürnberg, der Weltleitmesse für Biolebensmittel, stellten das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) die Auswertung der Zahlen des Jahres 2015 vor. Deutschland war 2015 der größte Biomarkt in Europa (8,6 Milliarden Euro), gefolgt von Frankreich (5,5 Milliarden Euro), dem Vereinigten Königreich (2,6 Milliarden Euro) und Italien (2,3 Milliarden Euro). Die ersten Zahlen, die für 2016 vorliegen, zeigen, dass sich das Marktwachstum fortsetzt (Deutschland 2016: 9,5 Milliarden Euro; +9,9 %). Im weltweiten Bioranking liegt Deutschland nach den USA auf Platz zwei.

Große Dynamik

Helga Willer vom FiBL erläutert: "Die große Dynamik des europäischen Biomarkts zeigt sich 2015 am starken Wachstum, welches mit einem Plus von 13 % zum ersten Mal seit der Finanzkrise wieder zweistellig ausfiel. In Frankreich und Italien wuchs der Markt um 15 %, in Deutschland um 11 %." Die europäischen Konsumentinnen und Konsumenten geben jedes Jahr mehr Geld für Bio aus; im gesamteuropäischen Durchschnitt waren es 2015 36,4 Euro pro Einwohner (Europäische Union: 53,7 Euro). Am tiefsten griffen die Schweizer in die Tasche; die Schweiz ist das Land mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Bioverbrauch (262 Euro). Es folgen Dänemark (191 Euro) und Schweden (177 Euro). Auch die höchsten Bioanteile am Lebensmittelmarkt finden sich in Europa. Spitzenreiter sind Dänemark mit 8,4 %, die Schweiz mit 7,7 % und Luxemburg mit 7,5 %. Diana Schaack von der AMI ergänzt: "Viele Produkte und Produktgruppen erreichen viel höhere Anteile. In der Schweiz zum Beispiel ist jedes vierte verkaufte Ei ein Bioei, und der Bioanteil von Milchprodukten erreicht in einigen Ländern 10 % und mehr."

Markt wächst schneller als Fläche

Der Trend, dass der Markt schneller wächst als die Fläche, setzte sich auch 2015 fort. Erfreulich ist jedoch, dass die Biolandwirtschaftsfläche 2015 wesentlich stärker wuchs als in den Jahren zuvor - nämlich um fast eine Million Hektar oder 8,2 %. In Europa wurden per Ende 2015 12,7 Millionen Hektar und in der Europäischen Union 11,2 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet. Das sind 2,5 % beziehungsweise 6,2 % der Landwirtschaftsfläche insgesamt. Spitzenreiter sind Spanien (1,97 Millionen Hektar), Italien (1,49 Millionen Hektar) und Frankreich (1,37 Millionen Hektar); in diesen Ländern nahm die Biofläche jeweils um 100.000 Hektar und mehr zu. In neun europäischen Ländern werden 10 % und mehr der Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet. Die höchsten Anteile weltweit weisen Liechtenstein (30,2 %), Österreich (21,3 %) und Schweden (16,9 %) auf.

Bioverarbeiter und Bioimporteure: Ebenfalls zweistellige Zuwachsraten

In Europa wirtschafteten knapp 350.000 Landwirtschaftsbetriebe biologisch (Europäische Union: 270.000); es gab 60.000 Bioverarbeiter und fast 3700 Bioimporteure. Während das Wachstum bei den Landwirtschaftsbetrieben mit 3 % eher bescheiden war (Europäische Union: 5 %), legten die Verarbeiter um 12 % und die Importeure sogar um 19 % zu. Matthias Stolze vom FiBL folgert: "Dass die Zunahme der Importeure und Verarbeiter viel stärker ausfällt als die der landwirtschaftlichen Betriebe, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Dynamik in der Produktion mit der des Marktes nicht Schritt hält. Wichtig ist es deshalb, dass der Biosektor und die Agrarpolitik daran arbeiten, das Markt- und das politische Umfeld zu optimieren. Ebenfalls müsste die Datenverfügbarkeit zum Biolandbau verbessert werden, um die Markttransparenz zu erhöhen." 


  
Quelle: Forum Nachhaltig Wirtschaften; Grafiken: FiBL

Mittwoch, 15. Februar 2017

Nachhaltige Finanzwirtschaft im Überblick



Eine Vielzahl an Foren, Verbänden, Intiativen, NGOs und Thinktanks befassen sich mit der Entwicklung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft oder treiben diese voran. Weltweit sind Gesetzesinitativen zu beobachten, eine wachsende Anzahl freiwilliger Standards entsteht, es wird verstärkt geforscht und inner- wie außerhalb der Parlamente debattiert – kurzum: Das Thema entwickelt sich sehr dynamisch. Den Überblick über die Lage der nachhaltigen Finanzwirtschaft zu behalten erscheint kaum möglich. Zeit also für eine Momentaufnahme. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hat sich dieser Herausforderung gestellt und im Auftrag des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Ist-Stand der nachhaltigen Finanzwirtschaft recherchiert. Das Ergebnis liegt nun als Publikation vor.

Guter Überblick über den Stand der Dinge

„Mit der Publikation 'Green Economy – Recherche Ist-Stand nachhaltige Finanzwirtschaft' legen wir nicht nur ein umfassendes Nachschlagewerk vor, sondern zeigen auch Forschungsbedarf, Trends, politischen Gestaltungsbedarf und Handlungsoptionen auf“, kommentiert der FNG-Vorstandsvorsitzende Volker Weber. „Zugleich ist klar, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt, die angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit und Finanzmarkt einer kontinuierlichen Aktualisierung bedarf. Wir bemühen uns deshalb derzeit darum, das Projekt zum Nutzen der Marktteilnehmer wie der Zivilgesellschaft fortführen zu können.“ Der Rechercheauftrag hatte das Ziel, den Umsetzungsprozess der von BMBF und BMUB (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) initiierten Forschungsagenda Green Economy und das korrespodierende Fachforum Nachhaltiges Wirtschaften im Rahmen des Hightechforums der Bundesregierung zu unterstützten. Die hier vorgelegte Ist-Stand-Analyse wurde angeregt durch das Thementeam Nachhaltige Finanzwirtschaft, Teil des Fachforums Nachhaltiges Wirtschaften, unter Leitung von Prof. Bernd Wagner vom Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit (VfU) in Finanzinstituten e.V.). Die Recherche war auch Grundlage für das Ergebnispapier dieses Thementeams Nachhaltige Finanzwirtschaft: Empfehlungen für eine Nachhaltige Finanzwirtschaft.
Quelle: Umweltdialog

Freitag, 3. Februar 2017

Verändert der Faire Handel die Gesellschaft?



Der Faire Handel trägt nicht nur dazu bei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zu verbessern. Er zielt auch auf ein verändertes Bewusstsein und Verhalten in der deutschen Gesellschaft. Der Faire Handel hat bewirkt, dass immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland die Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Auftrag von TransFair, Engagement Global, Brot für die Welt, Forum Fairer Handel und MISEREOR. Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller nahm die Studie "Verändert der Faire Handel die Gesellschaft?" zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche entgegen. In der Studie wurde erstmalig wissenschaftlich analysiert, ob und in welchem Maße der Faire Handel in den letzten 15 Jahren die deutsche Gesellschaft beeinflusst und verändert hat. Die Ergebnisse zeigen: In allen untersuchten Bereichen – bei Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und privatem Konsum – gibt es einen Trend hin zu verändertem Bewusstsein und Verhalten. Der Faire Handel hat mit intensiver Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen. 

Studie belegt Wirksamkeit des Fairen Handels

Die wohl sichtbarste Veränderung ist die deutlich vergrößerte Palette und Verfügbarkeit fair gehandelter Produkte. Diese sind heute nicht nur in Weltläden, sondern auch in fast jedem Supermarkt, vielen Fachgeschäften sowie in der Gastronomie erhältlich. Somit können Verbraucherinnen und Verbraucher über einen nachhaltigen Konsum Politik mit dem Einkaufswagen betreiben. Auf politischer Ebene werden Einkaufspraktiken unter dem Stichwort Faire Beschaffung diskutiert, in der Wirtschaft wird der Faire Handel im Rahmen der Unternehmensverantwortung und des Rohstoffbezugs bedeutender. Als größter Erfolgsfaktor des Fairen Handels hat sich laut Studie das Konzept selbst erwiesen: Der Faire Handel macht komplexe globale Problemzusammenhänge verständlich und liefert konkrete Lösungsansätze. Fairer Handel ist daher heute fester Bestandteil der Bildungsarbeit, beispielsweise in Schulen, und hat unzählige ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer. "Fairer Handel begeistert nach wie vor. Er ist der lebendige Beweis dafür, dass der weltweite Handel gerechter und menschlicher gestaltet werden kann. Die kirchlichen Hilfswerke zählen zu den Pionieren des Fairen Handels und werden sich auch weiterhin für seine Anliegen engagieren", so Dr. Klaus Seitz, Leiter der Abteilung Politik bei Brot für die Welt.

Nach wie vor großes Veränderungspotential

Die Studie zeigt aber auch Grenzen des Fairen Handels auf und bescheinigt ihm weiterhin ein großes Potenzial für gesellschaftliche Veränderungen. "Fairer Handel soll nicht nur Vorbildfunktion haben, sondern die Regel sein. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel die Prinzipien des Fairen Handels flächendeckend umzusetzen, unfaire Handelspraktiken zu beseitigen, und Menschenrechte entlang der Lieferketten durchzusetzen, bleiben eine Herausforderung", erklärt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair. Vor allem auf dem politischen Parkett – auf nationaler wie internationaler Ebene – sollten die Themen "Gerechterer Welthandel", "Nachhaltigere Entwicklung" und "Nachhaltigerer Konsum" stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. "Die faire öffentliche Beschaffung gewinnt an Bedeutung und ist ein konkreter Beitrag vieler Kommunen und Verwaltungen zur Umsetzung des Ziels zwölf der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zum Themenfeld „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster". Dieses Bewusstsein für die globale nachhaltige Entwicklung ist aber noch lange nicht bei allen Beschaffungsstellen angekommen", sagt Dr. Jens Kreuter, Geschäftsführer von Engagement Global. Trotz einer wachsenden Unterstützung des Fairen Handels durch die Politik, hat es im Untersuchungszeitraum laut der Studie keine substanziellen Veränderungen der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen gegeben, wie sie von der Fair-Handels-Bewegung angestrebt werden. "Der Faire Handel muss den gesellschaftlichen Schulterschluss mit gleichgesinnten zivilgesellschaftlichen Akteuren verstärken, um die politische Forderung der Bewegung nach einem gerechteren Welthandel voranzubringen", so Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel.
Die Studie wurde vom CEval Institut Saarbrücken durchgeführt und finanziell durch die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt.  

Donnerstag, 26. Januar 2017

Regen­wald­zer­störung für Nespresso Alu-Kapseln stoppen!



Kaffeekapseln sind ein Multi-Millionen-Geschäft. Marktführer Nespresso leisten sich für seine „Boutiquen“ teuerste Innenstadtlagen: In Hamburg am feinen Neuen Wall, in einem Straßenblock mit Apple, Cartier und Porsche Design. Werbeträger George Clooney lässt sich seine Arbeit reichlich entlohnen. Kapseln seien „für viele Verbraucher mit einem Lifestyle- und Luxusgefühl im Alltag verbunden“, frohlockt der Deutsche Kaffeeverband. Neben Nespresso bieten rund 20 Firmen Kapselkaffee an. Der angebliche Luxus hat selbst die Discounter Aldi und Lidl erreicht. Sogar Bio-Kaffee wird in Ex-und-Hopp-Kapseln angeboten – und gekauft. An die Umwelt scheinen die Genussmenschen, die auf den Geschmack aus der Kapsel setzen, bei ihrer Kaufentscheidung nicht zu denken. Ihr Verhalten sorgt für eine wahre Müllflut: Laut Stiftung Warentest wären 500 Mülllaster nötig, um die jährlich mehr als 5.000 Tonnen deutschen Kapselmüll zu entsorgen.

Umweltschädliche Bauxit-Verhüttung

Zwar versprechen Hersteller wie Nespresso, die Kapseln aus Aluminium würden recycelt. Die Versprechen sind allerdings leer: Die Firmen wälzen die Verantwortung auf die Kunden ab. Diese werfen die verbrauchten Kapseln allerdings häufig in den Restmüll. Die Liebe zur Kapsel richtet auch in entfernten Regionen Zerstörungen an. Der Alu-Rohstoff Bauxit wird im Tagebau gewonnen. Dafür wird etwa in Brasilien großflächig Regenwald abgeholzt. Die Verhüttung des Bauxits ist extrem umweltschädlich und energieintensiv. Im brasilianischen Amazonasgebiet werden für Alu-Werke mächtige Wasserkraftwerke gebaut. Flüsse werden umgeleitet und aufgestaut, Regenwaldgebiete abgeholzt und in Stauseen ertränkt. Indigene Völker werden von ihrem Land vertrieben.

Bitte kaufen Sie keine Kaffeekapseln und fordern Sie die Kaffeeproduzenten auf, diese Verschwendung von Aluminium zu beenden.
Quelle: Rettet den Regenwald, Foto: Umweltzentrum Tübingen

Hier geht es zur Petition von „Rettet den Regenwald“