Mittwoch, 21. Februar 2018

Stiftung Warentest: ’sehr gut‘ für 3 Anbieter von CO2-Ausgleich



Spätestens jetzt buchen viele ihre Reisen für den Sommer. Zugleich wird Urlaubern zunehmend bewusst, dass Flugreisen das Klima schädigen. CO2-Ausgleich-Anbieter wollen den Schaden über Klimaschutzprojekte reduzieren – Stiftung Warentest hat sich 6 Anbieter angesehen.

Der Deal ist einfach: Der Konsument zahlt Geld an Anbieter von CO2-Kompensationen. Die sorgen dafür, dass der CO2-Ausgleich dann auch wirklich stattfindet, zum Beispiel indem sie in Projekte mit erneuerbaren Energien investieren (das reduziert andernorts Emissionen des Klimagases CO2) oder in die Aufforstung von Wäldern Geld stecken (das bindet CO2 aus der Atmosphäre in organischem Material). Oft wird solcher CO-Ausgleich als Ablasshandel kritisiert, manche halten gar nichts davon. Ist das alles Betrug? Stiftung Warentest hat sechs Organisationen genauer untersucht. Die März-2018-Ausgabe des Verbrauchermagazins Finanztest warf einen Blick auf die Anbieter Arktik, Atmosfair, Klima-Kollekte, Klimamanufaktur, Myclimate und Primaklima. Von diesen sechs Anbietern, die Finanztest unter die Lupe genommen hat, schneiden drei „sehr gut“ ab, ein weiterer ist „gut“. Zwei bekommen nur das Qualitätsurteil „ausreichend“, weil die Qualität der Kompensation nicht zufriedenstellend sei, die Transparenz gar „mangelhaft“. Empfehlenswert erschienen den Testern die Anbieter Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima (sehr gut) sowie Myclimate (gut). Der Preis für die Kompensation reicht von 5 Euro pro Tonne CO2 bis 23 Euro, entscheidend für das Testurteil war aber vor allem die Qualität der Kompensation. Die besten Noten gab es für Projekte, die   nach dem Gold-Standard (CER) ausgestellt sind, einem Gütesiegel für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Verbraucher können den gewünschten CO2-Ausgleich über die Internetseitender Anbieter abwickeln. Sie bieten einen Rechner, mit   Verbraucher ermitteln können, wie viel CO2 bei ihrer Reise oder ihrer gesamten Lebensweise anfällt. Den ausführlichen und lesenswerten Test zum CO2-Ausgleich findest du in der März-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und online unter test.de/co2-kompensation.

Hintergrund CO2-Emissionen

Der Durchschnittsdeutsche produziert pro Jahr rund 11 Tonnen CO2, so Stiftung Warentest. Den größten Anteil daran hat unsere Heizung, gefolgt von Strom, Ernährung und Verkehr. Als Klimagas trägt CO2 wesentlich zum Klimawandel bei, denn es verhindert, dass Wärme ins Weltall entweicht.
Quelle: utopia.de / Andreas Winterer  

 Hier geht es zum Test

Dienstag, 13. Februar 2018

„Apple kann kein faires Smartphone bauen“



Kann man für den Preis eines neuen iPhone X ein faires Smartphone herstellen? Bas van Abel, Geschäftsführer von Fairphone, über die Lieferketten im Elektronikbereich, Apple und seine Bemühungen mit Fairphone das System zu verändern.

Bas van Abel – das iPhone X kostet in der Top-Variante 1319 Euro. Kann man für den Preis auch ein faires Smartphone bauen?


Das ist eine einfache Frage, die man jedoch nicht so einfach beantworten kann. Zuvor möchte ich jedoch eine Gegenfrage stellen: Was denken Sie denn?

Ich denke, dass ein so mächtiger Konzern mit all seinen Möglichkeiten für den Verkaufspreis ein faires Smartphone bauen könnte.

Zunächst ist doch die Frage „Was ist fair?“. Sind es die Rohstoffe, beispielsweise ihre Quellen und die Auswahl an Metallen, die Arbeitsbedingungen, das Design der technischen Komponenten, die Langlebigkeit eines Produktes?

Der Kunde versteht darunter vor allem faire Arbeitsbedingungen für die Arbeiter bei der Herstellung.

Nachhaltigkeit ist meiner Ansicht nach keine Sache von Schwarz und Weiß. Schaut man sich beispielsweise die Gewinnung von Edelmetallen an, die für ein Smartphone gebraucht werden, wird man schnell mit Kinderarbeit im Kongo konfrontiert. Man könnte jetzt sagen, wir beziehen kein Gold mehr aus dem Kongo und kaufen stattdessen in Australien ein. Doch wird das Leben für die Menschen im Kongo davon besser? Wir bei Fairphone haben uns deshalb dafür entschieden, Minen im Kongo bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu helfen. Die Frage ist doch: Wie positioniert sich ein Konzern wie Apple zu diesem Dilemma.

Konzerne argumentieren meist mit den höheren Produktionskosten, um beispielsweise ihre unfairen Einkauf zu rechtfertigen.

Hersteller wie Apple oder Samsung agieren in einem Wirtschaftssystem, das aktuell nicht der Fairness verpflichtet ist. Ein Grund dafür ist beispielsweise, dass der Faktor Mensch für den Kunden, der später das Smartphone in den Händen hält, komplett ausgeblendet wird. Wir müssen den Mensch wieder ins System zurückbringen und ihn bei den Entscheidungen berücksichtigen. Entscheidet man sich dann für Metalle aus fairen Quellen, lassen sich die Mehrkosten ziemlich genau berechnen und die sind nicht viel höher. Es kostet viel mehr, die Nachhaltigkeitsprogramme in den Unternehmen zu implementieren und dann auch zu überwachen.

Wie kompliziert ist es, bei einem Produkt wie einem Smartphone die Lieferkette zu durchdringen?
.....
Das ganze Interview kann man hier lesen 

Quelle: Enorm Magazin/Phillip Bittner; Foto: Fairphone

Sonntag, 4. Februar 2018

Gratis: 500 grüne und faire Reisetipps



Sie suchen eine Ökolodge in Argentinien, einen nachhaltigen Veranstalter in Deutschland, fair gehandeltes Kunsthandwerk in Griechenland? Oder Tipps zu Freiwilligenarbeit in Guatemala, zu lokalen Tourismusprojekten in Indonesien und klimafreundlichen Jugendherbergen in der Schweiz?  
Dann ist die Liste mit 500 grünen und fairen Reisetipps aus 30 Ländern - von Ägypten bis zu den USA - genau das Richtige für Sie. Die Liste enthält ganz konkrete Empfehlungen für einen nachhaltigen Urlaub vor Ort. Die Informationen  hat  FRANK  HERRMANN, Autor von  „FAIRreisen - Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen“ (oekom Verlag), unter Mitarbeit zahlreicher Landesexperten, zusammen getragen.

Download der Liste: http://www.oekom.de/laenderreisetipps

Hinweis: Der Tourismus ist eine dynamische Branche. Für die in der Liste gemachten Angaben kann daher keine Gewähr übernommen werden!
Wer mithelfen möchte, die Liste aktuell zu halten, schreibt bitte an: fair.einkaufen@gmail.com
 

Montag, 29. Januar 2018

Erderwärmung: Gefährdet Bitcoin internationale Klimaziele?





Momentan verbraucht Bitcoin, eine digitale Währung mit einer dezentral verwalteten Datenbank (der Blockchain), etwa 42 Terawattstunden Elektrizität pro Jahr und damit mehr Strom als Neuseeland, Ungarn und fast so viel Strom wie Peru. Damit kommt die Bitcoin-Community auf ca. 20 Megatonnen CO2 pro Jahr, zeigen die Zahlen von Digiconomist. Der Fakt, dass Bitcoin so viel Strom verbraucht, sollte jedem zu Bedenken geben, der an die Zukunft von Kryptowährungen glaubt. Denn je stärker die Währung wird, desto größer könnten die Ausmaße auf unser Klima werden. Dass Bitcoin so viel Strom verbraucht, ist kein Zufall. Tatsächlich hat der Erfinder der Kryptowährung, der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto arbeitet, den hohen Stromverbrauch in die Wiege des Bitcoin gelegt. Bitcoin hat nur einen Wert, weil es nicht zu viel davon auf dem Markt gibt. Doch Bitcoin hat keine eindeutige Obergrenze. Stattdessen kann man das sogenannte „Bitcoin Mining“ durchführen, um neue Bitcoins auf den Markt zu bringen. Dies ist eine Art Wettbewerb, so viel Strom wie möglich zu verbrauchen, indem Rechner sinnlose Rechenarten in Trillionsten einer Sekunde durchführen.

Das Prinzip des Bitcoin Mining


Je mehr Elektrizität der Rechner verbraucht und je schneller er arbeitet, desto größer ist die Chance zu gewinnen. Der Preis? 12,5 Bitcoin. Je nach Wechselkurs ergibt das eine hübsche Summe für den Gewinner (momentan etwa 100,000 US$). Das Spiel funktioniert nach dem Alles-oder-Nichts Prinzip. Denn der Preis wird nur an einen einzigen Gewinner alle 10 Minuten vergeben. Je mehr Elektrizität man verbraucht, desto größer die Chance, als Gewinner aus dem Spiel zu gehen. Doch auch alle anderen Miner wissen das und investieren in leistungsstärkere Rechner. Der Teufelskreislauf ist in Gang gesetzt. Jeder Miner versucht, am meisten Rechnungen durchzuführen und am meisten Strom zu verbrauchen. Wenn Bitcoin die globale Währung werden würde, wie seine Anleger und Unterstützer derzeit hoffen, würde auch die Währung stärker werden. Geht der Preis Kryptowährung nach oben, können die Miner immer mehr Geld und Strom für das Bitcoin Mining aufwenden.

 

Credit Suisse – Wie gefährlich ist Bitcoin für die globalen Klimaziele?


Die Credit Suisse Group AG, das größte global tätige Finanzdienstleistungsunternehmen, sieht derzeit noch keine Gefahr von Bitcoin ausgehen. Zwei Gründe sprechen laut Credit Suisse dafür, dass der Stromverbrauch wieder sinken wird. Erstens sei der Wettbewerb von anderen Kryptowährungen zu hoch und zweitens würden Bitcoin Miner immer bessere und effizientere Technologien nutzen. Credit Suisse vergleicht Bitcoin daher mit dem Marihuana-Anbau oder mit Rechenzentren. Auch dort gab es weitläufige Befürchtungen, dass sie einen immensen Stromverbrauch haben würden. Bis jetzt sind diese Befürchtungen allerdings nicht eingetreten. Inzwischen sind Mining Computer der neuesten Generation tatsächlich dazu in der Lage, ca. 20% mehr sinnlose Rechenkalkulationen pro Megawattstunden durchzuführen als zuvor. Der Effekt? Miner können mehr Maschinen zur gleichen Zeit laufen lassen und verbrauchen damit im Schnitt wieder genauso viel Strom. Die einzig effektive Art und Weise, den Stromverbrauch zu drosseln, bestünde darin, den Wert der Kryptowährung zu senken. Dazu gibt es gute Neuigkeiten: Momentan ist der Wert von Bitcoin bei ca. 10.000 US$. Fast die Hälfte dessen, wofür Bitcoin noch letzten Monat gehandelt wurde. Wenn der Wert der Währung weiterhin sinkt, können wir uns auch endlich wieder an konventionellere Gründe des Klimawandels wenden. Zum Beispiel an die Automobilindustrie, oder Flugzeigreisen, oder Donald Trump.
Quelle: Clean Energy Project / Kim Josephine Schirrmacher, Grafik: digiconomist.net