Samstag, 19. Mai 2018

Unfaire Investitionen: Wenn der Damm bricht und der Rubel (trotzdem) rollt


Trotz massiver Menschenrechts- und Umweltvergehen fördern europäische TOP-Banken kontroverse Rohstoffunternehmen uneingeschränkt mit 100 Mrd. Euro.

Anlässlich der Vorstellung des neuen Dirty Profits 6 MINING Berichts beklagt Facing Finance, dass europäischen Top Banken, darunter auch die Deutsche Bank und die DZ-Bank, trotz gravierender Verstöße von Bergbauunternehmen gegen Umweltauflagen, Arbeits- und Menschenechte in diese investieren und sie weiterhin umfassend finanzieren.  „Obwohl Facing Finance und viele weitere NGOs seit fast 10 Jahren auf die anhaltenden Verstöße von Bergbauunternehmen hinweisen, wurden und werden deren problematische Geschäftsmodelle von europäischen Banken mit zweistelligen Milliardensummen gefördert", kritisiert Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance. Banken müssen endlich transparenter werden, mehr Verantwortung übernehmen und sicherstellen, dass auch das Geld ihrer Kunden nicht zur Finanzierung von verantwortungslosen Rohstoffunternehmen missbraucht wird", so Küchenmeister. Der Bericht dokumentiert Verstöße von Bergbauunternehmen wie die Kontaminierung von Land, Wasser und Luft, aber auch Gewalt, Drohungen und Einschüchterung der lokalen Bevölkerungen, Verstöße gegen Arbeitsrechte oder Zwangsarbeit. Hinzu kommen mangelnde Entschädigungen für von der Industrie verursachte Umweltkatastrophen, wie im Falle des Dammbruches der Samarco Mine (Brasilien) im Jahr 2015.

Verantwortungslose Banken finanzieren verantwortungslose Unternehmen

„Die Dammbrüche von Mariana (Brasilien) oder Buenavista del Cobre (Mexiko) zeigen, wie wenig die Rohstoffindustrie Menschen- und Umweltrechte achtet. Selbst bei der schwersten Bergbaukatastrophe der Geschichte drücken sich die Unternehmen um ihre Verantwortung, die Opfer angemessen zu entschädigen", sagt Susanne Friess, Co-Autorin des Dirty Profits Berichtes und Bergbau-Expertin bei Misereor. Verantwortlich für diese beiden Mega- Katstrophen sind die Bergbauunternehmen Vale, BHP Billiton bzw. Grupo Mexico. Entgegen der Behauptungen der Banken, zunehmend ihre ökologischen und sozialen Unternehmensführungs-Richtlinien zu verbessern und auf Vorfälle und Verstöße von Unternehmen zu achten, zeigt der Bericht, dass die zehn ausgewählten Banken nicht davor zurückschreckten, die verantwortungslosesten Unternehmen umfassend zu finanzieren. „Fast ein Drittel (32 Mrd. Euro) des gesamten Kapitals, welches die Banken zwischen 2010 und 2017 den ausgewählten Rohstoffunternehmen zur Verfügung gestellt haben, ging nachweislich an Unternehmen, die über sehr schlechte Umwelt- und Sozialstandards verfügen und die auch nicht zu den Vorwürfen Stellung nahmen", beklagt Lesley Burdock von Facing Finance, Projektleiterin und Autorin des „Dirty Profits" Berichtes. Zu diesen sehr schlecht bewerteten Unternehmen gehören Grupo Mexiko, Gazprom, Barrick Gold, Goldcorp und Eni.

Viel Geld für globale Verschmutzer

Die Deutsche Bank stellte im Untersuchungszeitraum fast 4 Milliarden Euro für die Aktivitäten der Unternehmen Gazprom und Eni zur Verfügung. Beide Unternehmen beteiligen sich an hochriskanten Ölbohrungen in der Arktis. Die Deutsche Bank hält zudem die umfassendsten Beteiligungen an den untersuchten Rohstoffunternehmen. Die umfangreichte Versorgung mit Kapital entfiel auf die französischen Banken BNP Paribas und Credit Agricole und auf die englische Barclays, die niedrigste auf die DZ Bank und die niederländische Rabobank. Zwischen 2010 und 2017 stellten die Deutschen Bank und die DZ Bank dem umstrittenen Bergbaugiganten Glencore fast 3,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Unternehmen Vale, mitverantwortlich für den Dammbruch der Samarco Mine, erhielt sogar 2017 und nach der Umweltkatstrophe noch 111 Millionen Euro von der Deutschen Bank. Die DZ Bank hingegen stellte für die untersuchten Unternehmen die geringsten Mittel zur Verfügung (1,3 Mrd. Euro). In einer begleitenden Untersuchung zum Rohstoffsektor allgemein stellte Facing Finance zudem fest, dass auch insgesamt 21 der von Kirchenbanken angebotenen Fonds in Wertpapiere von Rohstoffunternehmen investieren, die wiederholt wegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in die Kritik geraten sind. "Auch Kirchenbanken sollten die von Ihnen angebotenen Fonds genau prüfen und hohe Maßstäbe an Unternehmen und deren Respekt für Menschenrechte sowie Klima- und Umweltschutz anwenden", sagt Thomas Küchenmeister. Insgesamt wurden 31 Fonds untersucht, 21 davon sind belastet. Der Dirty Profits 6 Bericht fordert eine verbesserte Rechenschaftspflicht und Kontrolle von im Rohstoffsektor operierenden Finanzinstitutionen sowie eine deutliche Verbesserung der Unternehmens-Selbstverpflichtungen zu Menschen-, Arbeitsrechten sowie Um­weltstandards und Klimazielen.
Quelle: facing-finance.org, Foto: © Rogério Alves/TV Senado

Samstag, 12. Mai 2018

Leder aus Indien: Von wegen heilige Kühe!


Eine Kurzdoku (Link, s.u.) der Organisation „Animal Equality“ gibt einen harten Einblick in Indiens Rinderindustrie. Denn gerade für die gegerbten Tierhäute aus dem südasiatischen Land ist Deutschland einer der größten Abnehmer.

Leder ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Kein Wunder, das Material ist widerstandsfähig und langlebig und findet sich deswegen in Schuhen, Autositzen, Sofas, Jacken oder Schuhen. Doch nicht nur bei uns: Der Markt für Produkte von der Kuh boomt – auch in Indien, dem Land, in dem die Tiere vielen Menschen als heilig gelten. Indien ist weltweit Milchproduzent Nummer eins und einer der größten Exporteure von Rindfleisch und Leder. Gerade für die gegerbten Tierhäute aus dem südasiatischen Land ist Deutschland einer der größten Abnehmer. Doch wie katastrophal die Haltungs- und Transportbedingungen für diese Tiere in vielen indischen Betrieben sind, decken einmal mehr verdeckte Recherchen der internationalen Tierrechtsorganisation „Animal Equality“ auf. Die in einem Zeitraum von zwei Jahren in mehreren indischen Viehbetrieben aufgenommenen Videoaufnahmen der Non-Profit-Organisation dokumentieren in drastischen, teilweise sehr blutigen Bildern, dass Kühe selbst in Indien längst nicht allen heilig sind und der wirtschaftliche Druck immens ist. Die 13-minütige, emotional aufgeladene Dokumentation „Verehrt und gequält – Das Leiden Indiens „heiliger“ Kühe für Milch und Leder“ zeigt massive Verstöße gegen indische Tierschutzgesetze auf und thematisiert darüber hinaus die kritischen Arbeitsbedingungen von Arbeitern – zu denen auch Kinder gehören – die enormen Umweltbelastungen durch die Rinderindustrie sowie die Rolle von Deutschland als großen Leder-Importeur.

Zahlreiche Alternativen zu  Leder

Mit Hilfe einer Petition – gerichtet an die indische Botschafterin in Berlin – will Animal Equality jetzt strengere Richtlinien und Kontrollen für einen besseren Tierschutz durchsetzen. Neben Petitionen wie der von Animal Equality gibt es weitere Möglichkeiten, sich für nachhaltigere Lederproduktion einzusetzen: als Konsument. Denn besonders kleinere Labels denken das Thema „Leder“ mehr und mehr neu. Die Alternativen reichen von ökologisch produziertem und rhabarbergegerbtem Leder von artgerecht gehaltenen Rindern bis hin zu veganen Alternativen aus Kork, Ananas- oder Teakbaumblättern oder sogar Pilzfasern. Auch in unserem aktuellen Magazin widmen wir einen ganzen Schwerpunkt der Frage, wie ein nachhaltiger Modekonsum aussehen kann. Das macht Mode nicht direkt heilig, aber doch ein Stück bewusster.
Quelle: enorm 

Hier geht’s zur Kurzdoku

Dienstag, 1. Mai 2018

Statt Amazon: Faire Online-Buchhandlungen


Wer Bücher kaufen will, für den sind faire Online-Buchhandlungen spannende Alternativen zu Amazon. Anbieter wie Buch7, Ecobookstore oder Fairbuch können bei Preisen und Auswahl mit Amazon mithalten – und als faire Buchhandlungen unterstützen sie nebenbei noch nachhaltige Projekte.

Wegen der Buchpreisbindung gibt es bei neuen Büchern keine Preisunterschiede, egal, wo man Bücher online kaufen will. Auch die Auswahl ähnelt sich, weil hierzulande Buchläden (lokal ebenso wie im Web) ihre Bücher meist von Zwischenbuchhändlern wie Libri beziehen. Auch bei den Versandkosten können faire Online-Buchhandlungen mit Amazon mithalten. Buch7, Ecobookstore und Fairbuch verschicken Bücher versandkostenfrei. Hierbei muss man sich aber auch klar machen, dass in Wirklichkeit nichts „versandkostenfrei“ ist – anfallende Versandkosten werden eben andernorts eingespart. Der Unterschied zwischen Konzernen wie Amazon und fairen Online-Buchhandlungen liegt meist in einem fairen oder ökologischen Mehrwert bei letzteren. Die unten vorgestellten fairen Online-Buchhandlungen geben beispielsweise einen Prozentsatz des Buchpreises oder einen Anteil ihres Gewinns an soziale oder ökologische Projekte weiter. Dennoch sind die Bücher dort in der Regel nicht teurer als bei anderen Buchhandlungen. Beispiele:
  • Buch7 fördert mit seinen Einnahmen verschiedene soziale und ökologische Projekte.
  • Ecobookstore vermeidet CO2-Emissionen und unterstützt die Organisation „Rettet den Regenwald“.
  • Fairbuch ist Sponsor der Kindernothilfe.
Der lokale Buchhändler ist auch im Web zu finden 

Die wohl beste Alternative zu Amazon ist die naheliegendste: Kaufe deine Bücher bei kleinen Buchhandlungen in der Nähe. So unterstützt du Menschen, die Buchhändler mit Leib und Seele sind, statt Konzerne mit fragwürdigen Geschäftspraktiken noch reicher zu machen. Beim Buchhändler bekommst du im besten Fall noch eine richtig gute Beratung oder persönliche Empfehlungen, die keine Online-Buchhandlung bieten kann. Auch dazu gibt es inzwischen Web-Unterstützung: auf Buchhandel.de und Genialokal.de kann man Bücher online kaufen – shoppt sie aber dennoch beim lokalen Buchhändler um die Ecke, den man auf der Seite über eine Karte bzw. eine Postleitzahl leicht auswählen kann. Allerdings müssen die Händler an solche Plattformen eine Gebühr entrichten. Besser bleibt also, beim lokalen Buchhändler persönlich, telefonisch oder per Mail zu bestellen.

Wie fair ist Libri?

Fairbuch, Buch7 und Ecobookstore beziehen ihre Bücher von Libri, einem der wichtigsten Buchgroßhändler in Deutschland. Sie können jeweils etwa halbe Million „sofort verfügbare Bücher“ innerhalb von ein bis zwei Werktagen liefern. Darüber hinaus kann man noch eine riesige Auswahl weiterer Bücher bestellen, bei denen der Versand etwas länger dauert. Laut der Gewerkschaft Ver.di sind die Arbeitsbedingungen bei Libri besser als bei Amazon. Vergütet wird nach den Tarifen des Groß- und Außenhandels. Amazon dagegen stuft sich als Logistikunternehmen ein und zahlt entsprechend niedrigere Löhne. Interessante Website zum Thema: www.amazon-verdi.de
Quelle: utopia.de

Sonntag, 22. April 2018

Greenpeace-Marktcheck Kaffee-Angebot: kaum bio oder fair, zu viele Kapseln


Kaffee wird in österreichischen Supermärkten bei mehr als der Hälfte aller Artikel einzeln in Kapseln oder Pads angeboten. Das ergab der Greenpeace-Marktcheck vom April. Dabei werden mehr als 200 verschiedene Kaffee-Artikel von den größeren Supermärkten verkauft. Der Großteil davon sei weder bio noch fair hergestellt. Das verschlechtert laut der NGO die Umweltbilanz und verursacht mehr Müll. 

In Österreich trinken etwa 45 Prozent aller Haushalte Kaffee aus der Kapselmaschine. Wenn man auch die Pad-Maschinen hinzurechnet sind es rund 60 Prozent, schrieb Greenpeace. Im Fall der Kapseln wird dabei deren sehr energieintensive Herstellung angeführt, und das Produzieren von unnötigem Müll. Fünf bis sechs Gramm Kaffee werden demnach in rund 1,5 Gramm Kapsel verpackt - die laut EU-Verordnung nicht als Verpackung gilt. Das bedeute für die Hersteller keine Entsorgungsgebühr und keine Verpflichtung, Daten zu Recyclingraten offenzulegen. "Das Geschäft mit Kapseln und Pads boomt. Die Hersteller freuen sich über fette Gewinnspannen. Auch wenn einiges davon recycelt wird, kann dies die schlechte Umweltbilanz nicht ausgleichen", sagte Nunu Kaller, Konsumentensprecherin bei Greenpeace in Österreich. Auch sind Kapseln eine kostspielige Angelegenheit, rechnete die Umweltschutzorganisation vor. Durch den Kaffeegehalt von bis zu sechs Gramm im Schnitt käme man bei einem Preis von 35 bis 45 Cent auf 60 bis 90 Euro pro Kilogramm. Auch die günstigsten Kapselvarianten kämen laut Verein für Konsumenteninformation (VKI) auf 27 Cent pro Stück, was dann 34 Euro pro Kilo Kaffee entspricht. Zum Vergleich: Ein Kilo Bio und Fairtrade Kaffee kostet in etwa 15 Euro. 

Kleinere Auswahl, dafür nachhaltig


Was die Produktauswahlmöglichkeiten betrifft, so ergab der Check der NGO, dass bei Discountern wie Lidl und Hofer um die 25 unterschiedliche Packungen mit Kaffee, gemahlen oder ganze Bohne, erhältlich sind, sich bei Interspar und Merkur mehr als 200 Artikel finden. Bei mehr als der Hälfte aller Packungen in den Supermärkten lande der Kaffee zudem einzeln verpackt in den Regalen. Die Einzelverpackung, meist aus Alu oder Plastik, sei jedoch extrem aufwendig in der Produktion und lasse die Müllberge wachsen, kritisierte Greenpeace. Die Zahl an empfehlenswerten Kaffee-Produkten sei hingegen überschaubar: Bei den getesteten Supermärkten gibt es lediglich ein bis acht Produkte, die biologisch produziert und von Fairtrade zertifiziert sind und ohne Einzelverpackungen auskommen. Die empfehlenswerten Produkte sind meist unter den Bio-Eigenmarken der Supermärkte sowie Marken wie "EZA" erhältlich. "Ein gutes Kaffeesortiment besteht nicht aus möglichst vielen Artikeln, sondern einer Auswahl an möglichst nachhaltig und fair produzierten Produkten", so die Bilanz von Kaller zum aktuellen Marktcheck. 
Quelle: www.news.at